Informationsportale für Flüchtlinge Wie ARD und ZDF Flüchtlinge in Deutschland informieren

Von Sarah Engel | 21.12.2015, 06:46 Uhr

Seit mehren Wochen bieten Portale von ARD, ZDF oder der Telekom Informationen für Flüchtlinge an. Mit übersetzten Videos und Artikeln wollen sie Asylsuchenden helfen, sich in Deutschland zu orientieren.

Neu, anders und unbekannt ist Deutschland für Flüchtlinge, die aus den Krisenregionen der Welt geflohen sind. Ein Land, dessen Kultur sie nicht kennen und dessen Sprache sie nicht verstehen. Wen muss ich ansprechen, wenn ich einen Asylantrag stellen möchte? Wie ziehe ich ein Bahnticket? Wie werden die verschiedenen Obstsorten ausgesprochen? Antworten auf diese Fragen haben nicht nur Mitarbeiter von Kommunen oder Ehrenamtliche. Auch die deutschen Fernseh- und Rundfunksender bieten seit mehreren Wochen Informationsportale für Flüchtlinge an.

Videos erklären deutsches Leben

 Guide for refugees (Wegweiser für Flüchtlinge) nennt sich das Themenportal von ARD.de, das Ende Oktober an den Start ging. Hier bündelt die Redaktion Beiträge der verschiedenen Häuser, die für Flüchtlinge, ehrenamtliche Helfer oder Interessierte erstellt wurden. Dazu gehört auch eine Serie des Bayerischen Rundfunks, die den gleichen Namen wie das Portal trägt. In kurzen Videos erklärt Reporter Henry Lai auf Englisch, wie Flüchtlinge einen Internetzugang erhalten, studieren können oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.

Tagesschau auf arabisch und englisch

Daneben sind auch Sendungen, wie eine Sitcom zum Deutschlernen, von Planet Schule, dem Schulfernsehen von SWR und WDR, abrufbar. Auch die Deutsche Welle und das Funkhaus Europa sind mit ihren Beiträgen für Flüchtlinge auf der Seite verlinkt. Zudem wird das Format „Tageschau in 100 Sekunden“ mit englischen und arabischen Untertiteln angeboten. Für die jungen Zuschauer übersetzt eine Stimme aus dem Off „die Sendung mit der Maus“.

ZDF zieht mit Portal nach

Nachrichten für den Nachwuchs bietet auch das ZDF auf seinem Portal ZDFarabic/ ZDFenglish an. Seit zwei Wochen präsentiert die Seite mit einem schlichten Layout Nachrichten, Dokumentationen oder Kindersendungen wie Logo mit englischen und arabischen Untertiteln. Das Angebot sei mit einem kleinen, spontan zusammengestellten Redaktionsteam entstanden, das Hilfe von einer Agentur und einer Produktionsfirma erhielt, hieß es beim ZDF auf Nachfrage unserer Redaktion. Das schlichte Design ist speziell auf die mobile Nutzung zugeschnitten. „Wir wissen, dass viele Flüchtlinge nur über Smartphones der älteren Generation verfügen, häufig mit einer geringen Bandbreite beim Internetanschluss. Darauf haben wir unsere Entwicklung ausgerichtet“, so der ZDF-Pressesprecher Thomas Hagedorn.

Telekom setzt auf Integration

Unterstützung in der Verbreitung seiner Inhalte erhält das ZDF von der Deutschen Telekom. Der Konzern will nicht nur bis Jahresende an rund 60 Standorten kostenloses Wlan für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, sondern hat mit seiner eigenen Homepage „Willkommen in Deutschland“ ein umfangreiches Informationsportal geschaffen. Entstanden sei das Projekt in einer Task Force der Telekom, erzählt Katja Werz, Pressesprecherin der Telekom. Mitarbeiter aus den verschiedensten Unternehmensbereichen hätten sich zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, wie sie Asylsuchende in Deutschland unterstützen könnten.

Aufrufe über das Smartphone

Anschließend sei die Website durch das Redaktionsteam und ehrenamtliche Kollegen entstanden. „Wir sind ein internationales Unternehmen und haben viele Mitarbeiter aus dem Ausland, die uns bei den Übersetzungen geholfen haben“ sagt Werz. Die Integration, die bei der Telekom bereits gelebt werde, solle nun auch Flüchtlinge und Ehrenamtliche in den verschiedenen Bundesländern voranbringen. Auf sieben verschiedenen Sprachen und nach lokalen Informationen sortiert präsentiert sich die Seite, die von 75 Prozent der Nutzer mit dem Smartphone aufgerufen wird. Die meisten Menschen informieren sich aus Deutschland, doch zehn Prozent der Seitenaufrufe erfolgen bereits aus dem Ausland. Darunter seien Länder entlang der Flüchtlingsroute wie Jordanien, die Türkei oder Österreich, berichtet die Sprecherin. Aber auch Zugriffe aus Frankreich, Großbritannien oder den Niederlanden werden gezählt.

Hilfreiche Funktion: Das Bild-Wörterbuch

Doch wie erreichen die Informationsportale die Flüchtlinge? Die ARD hofft vor allem auf persönliche Hinweise der Betreuer und den Austausch der Flüchtlinge untereinander. Nutzer haben zudem die Möglichkeit ein Informationsblatt, das mit einem QR-Code versehen ist, von der Seite auszudrucken und in Unterkünften anzubringen. Seit Ende Oktober hat die ARD mehr als 700.000 Seitenaufrufe des Wegweisers für Flüchtlinge gezählt. Davon seien 100.000 auf die arabischen Inhalte und 180.000 auf die englischen Inhalte entfallen. Auch auf der ARD-Seite spielt das Smartphone eine Rolle. Mehr als 260.000 Aufrufe erfolgen über Mobiltelefone, 75.000 davon stammen aus dem Ausland. Was der beliebteste Clip auf der Seite sei, lässt die ARD offen. Umfragen in Flüchtlingsheimen hätten aber ergeben, dass besonders das Bild-Wörterbuch ein hilfreicher Begleiter sei. Ein Klick auf ein Symbol wie eine Banane oder einen Apfel genügt, und eine Stimme liest das deutsche Wort vor. Hilfe für Flüchtlinge kann manchmal so einfach sein.