TV-Programm am Montag Sehenswert: Hirschhausen im Hospiz und im Knast

Von Susanne Haverkamp | 15.09.2019, 12:42 Uhr

Eckart von Hirschhausen liebt ungewöhnliche Themen. Für die ARD geht er jetzt ins Hospiz und in den Knast.

Arzt, Humorist, Moderator: Eckhart von Hirschhausen kann sich weder auf der Bühne noch im Fernsehen vor Erfolgen retten. Jetzt hat das Erste eine neue zweiteilige Dokureihe mit ihm im Hauptabendprogramm. Wobei: So ganz neu ist die gar nicht. Denn zum einen lehnt sie sich stark an die erfolgreiche Reihe „Hirschhausens checkup“ an. Und zum zweiten wurden Teile des ersten Films bereits ausgestrahlt.

Hirschhausen im Hospiz – so heißt der erste Teil, der heute im Ersten läuft. Zwei Tage hat er in dem Bochumer Hospiz St. Hildegard verbracht, in einem Haus, in dem der Tod, wie er sagt, „bereits angenommen ist“. Eine neue Erfahrung für den Mediziner, der den Tod bislang als Feind verstanden hat, den es zu besiegen gilt.

Fast ohne rote Clownsnase

Eckhart von Hirschhausen kann das – mit Sterbenden reden. Mit ihren Angehörigen. Mit Pflegenden. Einfühlsam, aber nicht anbiedernd. Und trotz Kamera im Hintergrund erstaunlich natürlich. Vielleicht auch, weil er Arzt ist, der zwar nicht mehr praktiziert, aber dennoch schon den ein oder anderen Tod erlebt haben dürfte. Hirchhausen, der nach eigener Aussagen „das Endlichkeitsthema“ rund um seinen 50. Geburtstag entdeckt hat, nimmt sich wohltuend zurück, kaspert nicht rum, auch wenn eie rote Clownsnase mit im Gepäck ist. Im Gepäck, nicht im Zimmer von Schwerstkranken.

Tragisch sind seine Gespräche deshalb nicht. Eher hoffnungsvoll, denn der Untertitel seiner Sendung lautet: „Wie das Sterben gelingen kann.“ Vielleicht so: im Hospiz, in aller Ruhe und Friedlichkeit, umgeben von Freunden und Familie, wo letzte Wünsche erfüllt werden – und sei es nur das Bananenbrot zum Frühstück oder das Lieblingslied, das der ehrenamtliche Klavierspieler auf dem Flur zum Besten gibt.

Die eindrucksvollen Szenen aus dem Hospiz, die etwa die Hälfte der Sendezeit ausmachen, sind ergänzt durch die Außenreporter Lisa Weitemeier und Niko Wirth, die den Tod mitten ins Leben tragen. Zum Beispiel indem sie Passanten in einem Park im Sarg probeliegen lassen. Oder auf dem Hamburger Elbbrücken einen Letzte-Hilfe-Kurs geben. Oder bei einem Bestatter ein Kurzpraktikum absolvieren.

Wem das jetzt bekannt vorkommt, der hat vielleicht Ende Mai im WDR das Magazin Quarks mit Ranga Yogeshwar gesehen. Aus neun Kurzfilmen bestand diese Sendung – vieles davon wird heute im Ersten aufgemixt. Das macht den Film nicht schlechter. Aber ganz so neu, wie das Erste in bewirbt, ist er eben nicht.

Tatsächlich neu ist der zweite Film der Reihe, der am kommenden Montag ausgestrahlt wird. Dann ist Eckhard von Hirschhausen zwei Tage zu Besuch im Knast, genauer: in der Justizvollzugsanstalt Meppen; dort ist jedes Verbrechen „bis auf Mord“, so heißt es jedenfalls im Film, zu Hause.

Man merkt Hirschhausen an, dass er hier hingegen nicht zu Hause ist, nicht so wie im Hospiz mit seiner bewussten Wohlfühl-Atmosphäre. Was verständlich ist, denn es ist schon krass, wenn man beim Einfahren als erstes hört: „Machen Sie sich mal nackig, so wie Sie geboren sind.“ Und der Kopf schaut oben aus der Umkleide heraus. Zur Sicherheit, klar. Aber mit seiner Kleidung lässt man eben auch ein Stück Persönlichkeit und ein Stück Würde zurück.

Hirschhausen spricht mit mehreren Gefangenen, mal durchs Fenster quer über den Hof, mal im Sportstudio bei Rumpfbeugen, mal in der Zelle, mal im Besuchertrakt. Und er ahnt, dass nicht jeder von ihnen zum letzten Mal in diesen Räumen ist. „Ich hab noch vier Wochen, aber ich komm vielleicht wieder“, sagt Dennis. Schon im Knast wurde er beim erneuten Dealen erwischt. Das Verfahren läuft. Dabei sind es bestimmt „Vorzeigegefangene“, die die JVA dem Moderator als Gesprächspartner zur Verfügung gestellt hat. Der Bibliothekar ist dabei, der reuige Sünder, der Senior. Repräsentativ dürfte das nicht sein.

Außenreporter wären verzichtbar

Auch in dieser Folge tragen die Außenreporter das Thema ins wahre Leben. Aber welches Thema? War das beim Hospiz noch ziemlich klar und offensichtlich, wirkt es in dieser Folge sehr bemüht. Lisa Weitemeier und Niko Wirth suchen auf der Straße und im Hochhaus nach Menschen, die einsam sind – übrigens finden sie keine -, stellen Freundschaften künstlich auf die Probe und lassen Passanten Briefe an Menschen schreiben, die sie lieben. Das ist manchmal nett anzusehen, meistens aber eher banal – und bringt weder den Film noch die Zuschauer wirklich weiter. Wie schon im Vorgängermodell der Reihe, Hirschhausens Checkup, die 2017 lief, wären die Außenreporter durchaus verzichtbar.

Die Szenen mit Eckhart von Hirschhausen sind hingegen gut anzusehen. In beiden Teilen. Im ersten sicher mit größerer persönlicher Betroffenheit und inhaltlicher Tiefe; im zweiten zumindest in seiner Fremdheit, die ein wenig Neugier befriedigen: Wie ist es wohl im Knast in Meppen?

Hirschhausen im Hospiz. Wie das Ende gelingen kann. Am Montag, 16. September 2019, um 20.15 Uhr im Ersten

Hirschhausen im Knast. Wen wir wirklich im Leben brauchen. Am Montag, 23. September 2019, um 20.15 Uhr im Ersten

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