Hinter den Kameras Der Regenmacher: Dieser Spezialist macht das Film-Wetter

Von Marie-Luise Braun, Marie-Luise Braun | 11.06.2016, 11:41 Uhr

Was für eine tolle Vorstellung: Das Wetter nach Lust und Laune selbst machen und nicht mehr von Hochs, Tiefs und ihren Auswirkungen abhängig sein. Uli Nefzer kann das. Er sorgt an Filmsets nicht nur für Spezial-Effekte, sondern auch für das richtige Wetter.

Das Schwierigste an seinem Beruf? „Nebel auf großen Flächen. Gleichmäßiger Nebel, der ganz natürlich aussieht, das ist extrem schwierig“, sagt Uli Nefzer. Eine regelrechte Choreografie der beteiligten Techniker müsse festgelegt werden, um das möglich zu machen. Und es braucht viel Personal: 16 bis 17 Mitarbeiter seien nötig, um die Fläche nach allen Seiten abzudecken. Denn wenn der Wind plötzlich dreht, muss der Nebel schnell anders verteilt werden. „Und dreht der Wind dann wieder, kann es passieren, dass man gar nichts mehr sieht“, sagt Nefzer, der dafür Sorge tragen muss, dass alles glatt läuft. Regisseure können ungeduldig werden.

Der Beruf war ihm quasi in die Wiege gelegt: Bereits Uli Nefzers Vater Karl war in der Filmbranche tätig. Der allerdings hatte es gar nicht darauf angelegt. Weil er Waffen sammelte, fragte in den 1960er Jahren eine Filmfirma aus den USA bei ihm an, die für einen Film Kriegswaffen nach Deutschland einführen wollte. Da es sehr schwer war, dafür eine Genehmigung zu bekommen, hatte das Innenministerium die Filmleute an Karl Nefzer verwiesen, der in seiner Heimat die Anträge stellen und Waffen zur Verfügung stellen konnte. Das sprach sich herum – und mit steigender Nachfrage war eine neue Filmfirma in Schwäbisch Hall geboren. „Ich war als Kind oft mit am Set. Mein Vater hat mir da einen guten Einstieg verschafft“, erinnert sich Uli Nefzer, der nie einen Plan B für sein Berufsleben entwickelt hat.

Alles muss sicher sein

„Mein erster Film war die Unendliche Geschichte, Teil 3“, erzählt der Mann der Effekte. 1994 kam dieser letzte Part der Reihe in die Kinos, die nach dem Buch von Michael Ende aus dem Jahr 1979 gedreht worden war. Damals hätte das Studio Babelsberg ihn gefragt, ob er die Effekte-Abteilung übernehmen wolle. Seither gibt es Nefzer Special Effects an zwei Standorten: im heimischen Schwäbisch-Hall und in Potsdam.

Inzwischen hat er bei zahlreichen namhaften Produktionen mitgewirkt, wie „Bridge of Spies“ mit Tom Hanks oder „Grand Budapest Hotel“. Acht feste Mitarbeiter unterstützen Nefzer, hinzu kommen nach Bedarf 60 bis 70 freie Kollegen. „Auf diese Weise können wir parallel zwei große Produktionen begleiten“, sagt Uli Nefzer. Mit seinem Schwager Gerd Nefzer teilt er sich die Geschäftsführung.

Um mit fundierten Kenntnissen in die Branche einzusteigen, habe er eine Lehre als Werkzeugmacher absolviert. Auf dieser Basis habe er sich weiter entwickelt und auf verschiedenen Feldern Kenntnisse erworben – dennoch holt Nefzer sich für bestimmte Effekte die Unterstützung von Spezialisten. Bei chemischen Fragen zum Beispiel. „Wenn man das persönlich macht, wird es unverantwortlich. Immerhin hat man es mit Menschen zu tun“, betont Nefzer.

Alles müsse sicher sein. Zugleich müssten die Effekte echt aussehen und spektakulär. „Die besten Effekte merkt der Zuschauer nicht“, meint Nefzer. Das gilt auch für Regen. Während es bei Fernsehproduktionen reichen würde, Tropfen nur in der Nähe der Kamera fallen zu lassen, müsse im Film eine große Fläche beregnet werden, damit es echt aussieht.

Damit Schnee nicht zu Beton wird

Zum Beispiel beim Film „The Rush“ (2013) über das Leben des Rennfahrers Niki Lauda (gespielt von Daniel Brühl). Für eine Szene musste eine Fläche von 100 mal 25 Metern inklusive Tribüne beregnet werden. Ein normaler Wasseranschluss reichte nicht, mehrere Tankwagen sorgten für den Wasservorrat. „Da gingen so 2700 Liter die Minute durch.“ Da im Film auch Originalaufnahmen eines Rennens aus dem Jahr 1976 gezeigt wurden, musste der Regen perfekt darauf abgestimmt sein.

Entsprechende Beregnungsanlagen aufzustellen sei kein Problem, sagt Nefzer, der auch mal warmes Wasser verwendet: Sonst hätte Natalie Portmann beim Dreh zu „V wie Vendetta“ frieren müssen. Bedacht sein muss auch die Größe der Tropfen. Damit Regen vor der Kamera wirkt, müssten die Tropfen größer sein als ihre Kollegen aus der Natur.

Bei Schnee gilt es, ähnliche Feinheiten zu bedenken. Soll er liegen bleiben, wird er aus Zellulose gemacht, soll er nur fallen, ist er aus Kartoffelstärke. „Der darf aber nicht nass werden, sonst wird er später hart wie Beton“, seufzt Nefzer, der auch diverse Windanlagen auffahren kann. Wofür er allerdings nicht zuständig ist, sind Blitze und Sonnenschein. Das ist heutzutage Aufgabe der Beleuchter.