Heute Abend im ARD-Programm Tatort „Mord Ex Machina“ aus Saarbrücken: Kinski-Sohn als Opfer

Von Joachim Schmitz | 01.01.2018, 13:30 Uhr

Der Neujahrs-Tatort kommt heute Abend aus Saarbrücken. „Mord Ex Machina“ ist ein sehenswerter Cyber-Krimi mit starken Darstellern.

Devid Striesow gehört zu den „lame ducks“, den lahmen Enten des Tatorts. Als Schauspieler unbestritten brillant, als Darsteller des Saarbrücker Kommissars Jens Stellbrink höchst umstritten, gab er in der Ruhe der Sommerpause bekannt, dass er nicht länger ermitteln will. „Mord Ex Machina“ ist sein vorletzter Tatort-Auftritt, Dienstschluss dann 2019.

Der aktuelle Fall ist mal wieder ein Cyber-Krimi, als der der Tatort immer häufiger daherkommt. Der Justiziar eines Unternehmens, das sich aufs Sammeln digitaler Daten spezialisiert hat (dargestellt von Klaus Kinskis Sohn Nikolai Kinski), rast mit einem autonom fahrenden Auto von einem Parkdeck in den Tod.

Auto manipuliert

Schnell steht fest, dass es sich kaum um einen Suizid handeln kann. Offenbar wurde der Wagen manipuliert. Und das genau in der Nacht, in der eine Hackerin (Julia Koschitz) mit ihrem Kumpan in die Computer der Firma von Victor Rousseau (Steve Windolf) eingedrungen ist.

Regisseur Christian Theede gelingt mit diesem Stoff ein respektables Tatort-Debüt. Die Eingangsminuten sind vielleicht ein bisschen kompliziert, der Strauß der Verdächtigen ist dafür angenehm überschaubar, der Spannungsaufbau gelungen, das Thema beängstigend aktuell und die Darsteller überzeugen durch die Bank. Da darf man ruhig über den einen oder anderen überflüssigen Schnörkel hinwegsehen.

Motorrad statt Vespa

Nicht zu übersehen ist hingegen der Fahrzeugwechsel des Kommissars: Devid Striesow ist als Stellbrink nicht mehr mit der alten roten Vespa unterwegs, die für ihn ein echtes Alleinstellungsmerkmal war, sondern hat den Roller gegen ein stattliches Motorrad getauscht. Thematisiert wird dieser Wechsel allerdings nicht.

Auch personell stehen die Zeichen im vorletzten Saarbrücker Tatort mit diesem Team noch mal auf Wechsel: Elisabeth Brück rückt in der Rolle der Hauptkommissarin Lisa Marx ins zweite Glied, hat kaum noch mehr als „Jens, ich glaub, wir haben da was“ zu sagen. In den Vordergrund tritt dagegen Sandra Maren Schneider als IT-affine Polizeischülerin Mia Emmrich.

Starke Darsteller

Auch die sonstige Besetzung dieses Tatorts ist durchaus eine Erwähnung wert: Nikolai Kinski wird zwar früh zum Opfer, taucht in Rückblenden aber immer wieder auf. Der 41-Jährige ist der Sohn des legendären Klaus Kinski und des aus Vietnam stammenden Models Minhoi Geneviève. Als 2013 die Missbrauchsvorwürfe seiner Halbschwester Pola Kinski gegen den gemeinsamen Vater öffentlich wurden, meldete er sich über die „Bild“-Zeitung: „Ich bin zutiefst schockiert und am Boden zerstört über die Offenbarung ihres Missbrauchs durch unseren Vater. Ich habe ihn nie so erlebt. Ich wünschte, ich könnte ihn noch mit den Vorwürfen konfrontieren.“

Gewohnt stark agiert Julia Koschitz in der vielleicht interessantesten Rolle dieses Tatorts: Als Hackerin Natascha Tretschok ist sie nicht nur in der Lage, in nahezu jeden Computer einzudringen und ihn zu manipulieren – sie schafft es auch, allen Männern inklusive des Kommissars den Kopf zu verdrehen.

Steve Windolf im Kommen

Ein Schauspieler, über den man ebenfalls noch reden wird, ist schließlich Steve Windolf, der in diesem Tatort den ebenso smarten wie skrupellosen IT-Unternehmer Victor Rousseau spielt. In den kommenden Wochen kann man sich dann von seiner Wandlungsfähigkeit überzeugen: Ab Mitte Januar ist der 35-Jährige in der neuen RTL-Serie „Sankt Maik“ zu sehen und Ende des Monats in der ZDF-Romanverfilmung „Ein Moment fürs Leben“. Aktuell dreht er ebenfalls fürs ZDF den Mystery-Thriller „Schattengrund“ unter der Regie von Dror Zahavi.

 Tatort: Mord Ex Machina. Das Erste, Montag, 1. Januar 2018, 20.15 Uhr.

 Wertung: 4 von 6 Sternen