Heilig Abend mit Blitz und Nebel Erste Weihnachtsvorlesung an der Uni Osnabrück

Von Marie-Luise Braun | 17.12.2015, 07:47 Uhr

Dreißig Versuche hatte Marco Beeken im Vorfeld angekündigt. Nicht dazu gezählt hat der Juniorprofessor für Chemiedidaktik die Veranstaltung selbst. Dabei ist auch sie ein Experiment, wenn auch kein chemisches: Unter dem Titel „Weihnachtsbrauch, (mehr als) Schall und Rauch“ hat Beeken zur Weihnachtsvorlesung eingeladen. Ein Novum an der Uni

Das Vergnügen, das ihm seine Rolle macht, ist ihm anzusehen. Als Weihnachtsmann verkleidet betritt Marco Beeken den Hörsaal – und sprengt wenige Sekunden später durch seine Atmung den Gürtel, mit dem er den rot-weißen Mantel in der Taille befestigt hatte. Es ist die erste – und auch nicht die letzte – Panne des Abends. Aber was macht das schon, wenn es „nicht um Theorie, sondern um nette Effekte“ geht, wie Beeken im Vorgespräch mit dieser Redaktion erläutert hatte.

Spektakuläre Experimente

Eingebettet in eine selbst erfundene Geschichte will er gemeinsam mit seinem Doktoranden Michael (Wichtel) Budke spektakuläre Experimente präsentieren, die sich allesamt um Weihnachten drehen. Irgendwie zumindest. Denn wenn das alles in den kommenden Wochen in deutschen Wohnzimmern gemacht wird, ist das Fest der Liebe keineswegs besinnlich und die Feuerwehren haben noch mehr zu tun als ohnehin schon durch Zimmerbrände, die von Kerzen auf Adventskränzen und Weihnachtsbäumen verursacht werden.

 Weiterlesen: Hochschule Osnabrück lässt Flüchtlinge gratis studieren 

„Nicht nachmachen“, hatte Beeken deshalb auch zu Beginn der Weihnachtsvorlesung betont, und zwar nicht nur in Richtung des minderjährigen Publikums. Schließlich saßen überwiegend Chemie-Studenten im Saal. Dann legten die beiden los mit chemischen Kabinettstückchen, die sich in ein „Weihnachtsoptimierungskonzept“ fügen sollten.

Krachende Explosionen

Nachdem Beeken sich seines Kostüms entledigt hatte – nicht ohne die Kinder aufzuklären: „Ich bin nicht der echte Weihnachtsmann, der würde das nicht machen“, startete er sein Programm. Natürlich ging es vornehmlich um weihnachtliche Beleuchtung, die im Chemielabor eben nicht immer aus flackernden Kerzen besteht, sondern aus milde glühenden Drähten oder krachenden Explosionen mit Blitz- oder Nebel-Effekt. So präsentierten Beeken und sein Gehilfe Budke einen Adventskranz, der sich praktischerweise am Ende selbst auflöst. Das spart das Aufräumen.

Es blitzte, glitzerte und knallte mächtig – und auch sonst boten die beiden Chemiker einige Effekte, wie Weihnachtskugeln, die ihre Farbe ändern und sich selbst kochende Souflees, die weit aus ihrer Form hinauswachsen. Amüsant auch die besondere Weinprobe, während der Beeken und Budke aus einer Flasche mit farbloser Flüssigkeit, Rosé, Rot- und Weißwein oder sogar blauen Tropfen zaubern.

Chemiker mit Humor

Beeken selbst hat diese besondere Art der Vorlesung, die an Universitäten wie Kiel oder Leipzig zur Tradition zählt, als Student kennengelernt. „Es zeigt, dass auch Chemiker Humor haben“, meint er. Unter den Zuschauern im sehr gut besuchten Hörsaal jedenfalls kommt die Show sehr gut an – wie auch die Ankündigung, im kommenden Jahr wieder zu einer Weihnachtsvorlesung einzuladen.