Florian Silbereisen über eine besondere Unterhose, Rudi Carrell und die Zeit als Zivi „Im Fernsehen nie ohne Glücks-Bücks“

Von Stefan Alberti | 11.02.2011, 23:01 Uhr

Er ist gerade mal 29 Jahre alt – und gehört schon zu den festen Größen in der volkstümlichen Branche. Florian Silbereisen ist als Moderator der „Feste der Volksmusik“ für die Fernsehmacher der ARD eine Bank. Auch wenn er dann und wann mal eine Zigarette raucht: Unser Gespräch bleibt rauchfrei – bei einer Tasse Kaffee berichtet uns der Blondschopf über seine außergewöhnlichen Beziehungen zu Rudi Carrell und Maria Hellwig, aber auch über einen unvergesslichen Zivildienst und eine ganz besondere Unterhose.

Herr Silbereisen, ich habe gehört, dass Sie bei Ihren Shows immer dieselbe Glücks-Unterhose anziehen...

(lacht) Ja, die rote „Glücks-Bücks“. Die ist nur für die Fernsehshows, sonst wäre sie ja zu schnell durch. Ich habe ja nur ein Exemplar davon. Die Unterhose habe ich mittlerweile schon seit sieben Jahren an – aber eben nur im Fernsehen.

Also seit Ihrer ersten Fernsehshow?

Genau. Bei meiner ersten Show hatte ich diese Unterhose gekauft. Ich hatte einen roten transparenten Anzug an –und meine Kostümbildnerin hatte mich darauf hingewiesen, dass ich eine rote Unterhose bräuchte, weil man alles andere sehen könne. Dann habe ich mir eine rote Unterhose gekauft.

Persönlich?

Ja, die habe ich mir selbst ausgesucht. Und da ich, wie viele andere Künstler auch, ein bisschen abergläubisch bin und die erste Sendung so gut funktioniert hat, war klar: Ab jetzt ziehe ich im Fernsehen immer diese Unterhose an. Die ist natürlich bei einem weißen Anzug nicht ganz so praktisch – da müssen wir immer etwas einnähen, damit sie nicht durchscheint.

Aber dieser Aufwand ist Ihnen egal?

Genau. Die rote „Glücks-Bücks“ bleibt.

Bleiben wir noch bei Ihrer ersten Fernsehshow. Die war am 7. Februar 2004 – können Sie sich da noch an die Zeit vor dem Auftritt erinnern?

Das war eine sehr emotionale Situation für mich. Diese Sendung mit einem damals 22-jährigen Burschen zu stemmen, war auch ein Risiko für alle Verantwortlichen. Da lagen die Nerven schon blank, wozu viele Faktoren beigetragen haben. Viele Künstler und Plattenfirmen haben uns boykottiert. Sie haben damit gedroht, dass sie nie wiederkommen, wenn dieser Junge, also ich, diese Show präsentiert. Eine Woche vor der Sendung haben noch viele Stars abgesagt.

Weil Sie mit „dem Silbereisen“ nicht zusammenarbeiten wollten?

Weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass das funktioniert. Ich war ja damals noch nicht wirklich etabliert. Ich war in der volkstümlichen Szene als Musiker etabliert, aber natürlich nicht in der großen Samstagabendwelt. Es gab damals nur ganz wenige Künstler, die an mich geglaubt haben, beispielsweise Mireille Matthieu oder Maria Hellwig. Glücklicherweise hat sich dann das Blatt gedreht – und heute kommen viele ganz gerne.

Sie waren ja auch derjenige, der dem heute großen Semino Rossi den ersten Fernsehauftritt ermöglicht hat. Den wollte damals keiner haben, weil er über 40 war und für einige nicht unbedingt gut aussah...

Ich habe Semino in Spanien kennengelernt. Ich habe ihn in meine Show geholt, und viele haben uns ausgelacht. Auch Helene Fischer war das erste Mal bei mir im Fernsehen zu Gast. Durch diese Shows haben wir viele Newcomer entdeckt, die inzwischen große Stars sind und große Hallen füllen.

Wie war die Resonanz nach der ersten Show?

Da hatte ich ein wunderschönes Erlebnis. Mein Manager und Produzent Michael Jürgens erhielt einen Anruf von Rudi Carrell. Der ging, wie man weiß, nicht zimperlich mit Kritik um. Rudi Carrell hat gesagt: „Michael, ich habe gedacht, mein Beruf als Showmaster ist ausgestorben. Jetzt habe ich diese Sendung gesehen – und jetzt weiß ich, dass dieser Beruf weiterlebt.“ Das war natürlich für uns alle ein absoluter Ritterschlag. Wir lagen uns mit Tränen in den Augen in den Armen und haben gefeiert.

Hatten Sie anschließend mit Rudi Carrell auch persönlichen Kontakt?

Wir haben uns einmal gesehen. Er hat mich immer wieder unterstützt – auch, wenn er in Talkshows auftrat.

Wie war Ihr Verhältnis zur Ikone der volkstümlichen Musik, Maria Hellwig?

Maria war viel mehr als eine Künstlerin und Kollegin. Maria war für mich wie eine zweite Omi oder Mami. Schon als kleiner Junge war ich mit ihr ständig unterwegs. Sie hat mich immer gefördert, hat für mich immer Kontakte geknüpft und hat mir Tipps gegeben. Sie war mit 89 Jahren noch 50 Tage mit mir auf Tournee. Sie war die professionellste Künstlerin, die ich jemals kennenlernen durfte. Wenn der Bus um zehn Uhr abfuhr, war sie immer 20 Minuten vorher da. Genauso bei den Auftritten. Sie kam nie zu spät, es gab nie ein böses Wort. Sie war auch immer auf der Seite der vermeintlich Schwächeren. Ich kann mich gut an eine große deutsche Künstlerin in unserer Show erinnern, Namen will ich nicht nennen, die damals einen Aufnahmeleiter so richtig zur Schnecke gemacht hat. Die hat den attackiert und beschimpft. Maria Hellwig hat das am Rande miterlebt, hat sich den Aufnahmeleiter an die Seite geholt, ihn umarmt und ihm Trost zugesprochen. Und genauso war es bei mir. Sie hat mich immer unterstützt und gefördert.

In puncto Disziplin hat sie Ihnen auch einiges beigebracht?

Ja natürlich. Gerade als junger Bursche lässt man es manchmal auch richtig krachen, wenn man auf Tournee ist. Und da hat die Maria auch mal strenge Töne angeschlagen – und hat uns auch schon mal richtig zur Brust genommen. Das war wichtig. Ich habe wahnsinnig viel von ihr lernen können.

Wen würden Sie als Ihren Entdecker bezeichnen?

Die Moderation im Fernsehen habe ich ganz klar meinem Unterhaltungschef Udo Foht zu verdanken. Ich habe vorher im MDR schon viele kleine Sendungen präsentiert – wie zum Beispiel „Mit Florian, Hut und Wanderstock“. Die haben ganz gut funktioniert. Musikalisch habe ich den Sprung über die Sendung „Wie die Alten sungen“ geschafft. Diese Sendung wurde auch von Karl Moik moderiert. Und der Karl hat mich dann auch gleich in den „Musikantenstadl“ eingeladen. Da war ich acht oder neun Jahre alt.

Und was ist mit Peter Alexander?

Peter Alexander ist für mich als Showmaster einer der ganz, ganz Großen. Ich habe ihn nie persönlich kennengelernt. Als ich als Showmaster anfing, habe ich mir viele Videos und DVDs von ihm angeschaut. Er ist ein absoluter Perfektionist. Da kann man nur den Hut ziehen.

An der Quotendiskussion kommen wir nicht vorbei. Die volkstümliche Branche ist bei vielen Sendern in Ungnade gefallen...

Ach, es wird immer wieder diese Diskussionen geben. Ich kann mich dabei nur mit meiner Show beschäftigen. Wir versuchen, uns ständig weiterzuentwickeln. Und es ist ja nicht so, dass bei uns die Quoten rückläufig sind. Im Gegenteil, wir sind sehr stabil. Wir sind in dem Sektor die erfolgreichste Unterhaltungsshow. Deswegen gibt es bei uns auch weniger Diskussionsbedarf.

Lassen Sie uns einige Jahre zurückgehen: Sie haben vier Geschwister und sind der jüngste Silbereisen. Wurde der Jüngste von allen anderen immer gehätschelt?

Nee. Aber ich bin sehr glücklich, dass ich in einer so großen Familie aufgewachsen bin. Das war nicht immer leicht. Von meinen Schwestern wurde ich eher gestreichelt, von meinen Brüdern eher anders angepackt. Bei uns war immer was los. Klamottenmäßig war ich immer up to date, denn ich war dank meiner Geschwister der Zeit weit voraus. Und manchmal haben mich die Älteren auch schon mal in eine Disco eingeschleust.

Wollten Sie denn schon immer Musiker und Showmaster werden?

Ja. Ich habe aber zunächst eine Banklehre ins Auge gefasst. Aber: Bevor ich den ersten Tag dort war, habe ich meinen ersten Tourneevertrag bekommen und bei der Bank wieder abgesagt.

Danach kam dann aber noch der Zivildienst im Altenheim.. .

Genau. Zehn Monate lang.

Was haben Sie dort gemacht?

In den ersten zwei Monaten war ich auf der Pflegestation. Dann wurde unsere Sozialdienstleiterin leider schwer krank. Das eröffnete mir aber eine Chance. Ich habe für einige Zeit den Sozialdienst übernommen. Ich war der Animateur im Seniorenheim, habe die Leute unterhalten. Ich habe Zeitungen mitgebracht und habe den Senioren vorgelesen; ich habe mit den Menschen musiziert, mit ihnen Ball gespielt und bin mit ihnen spazieren gegangen. Das war eine wunderbare Aufgabe. Eine Zeit, die ich nie missen möchte.

Lassen Sie uns bitte noch kurz über Ihre Beziehung mit Helene Fischer sprechen. In den bunten Blättern sind Sie das große Traumpaar.. .

Da habe ich mittlerweile schon ein Abwehrschild entwickelt. Ich lese das höchstens, wenn ich mal am Flughafen Zeit habe. Aber es gehört wohl mit dazu, diese erfundenen Geschichten. Wenn es zu sehr ins Private geht, dann werde ich auch mal kantig. Beruflich gehen Helene und ich bewusst getrennte Wege, privat sind wir sehr, sehr glücklich.

In Kürze sind Sie mit dem Frühlingsfest der Volksmusik auf Tournee – wie nehmen Sie Einfluss auf das Programm?

Gerade auf Tournee ist es natürlich sehr wichtig, dass alles zusammenpasst. Es müssen die ganzen Elemente einer Unterhaltungsshow zusammenpassen – auch emotional. Dazu sucht man die jeweiligen Stars. Wenn man einen Star wie Richard Clayderman gewinnen kann, dann braucht man als Gegenpart zum Beispiel die Wildecker Herzbuben. Ich freue mich über jeden, der auch bereit ist, mehr preiszugeben als den jeweils aktuellen Titel.

Und Sie sind der Moderator: Während einer solch langen Tournee kann es doch schon mal zum Streit kommen – und Sie müssen schlichten?

Zum Streit lassen wir es gar nicht kommen. Ich würde eher sagen, dass es zu Diskussionen kommt. Und das ist ganz normal. Einer muss dann, wenn nötig, entscheiden. Das wird dann auch akzeptiert. Ich würde nie etwas machen, was der Show nicht guttäte.