Kritik an Berichterstattung "Fernsehgarten"-Moderatorin Andrea Kiewel rechnet mit der ARD ab

Von Jakob Koch und dpa | 30.03.2019, 16:27 Uhr

Fernsehmoderatorin Andrea Kiewel schlägt ungewohnt deutliche Töne an: Vorgänge im Gaza-Konflikt würde die ARD falsch darstellen. "Man muss die Wahrheit berichten", fordert das Gesicht des "ZDF-Fernsehgartens" von den Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen.

In einem Beitrag für die "Jüdische Allgemeine" hat die 53-Jährige die Berichterstattung der "Tagesschau" über den Gaza-Konflikt am vergangenen Dienstag massiv kritisiert. In dem Bericht hieß es demnach in der Einleitung: "Nach schweren Angriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen". Doch dies sei falsch:

"Liebe Kolleginnen und Kollegen der ARD, Sie irren sich! Ich war vor Ort, als es losging mit den Raketen aus Gaza. Die Reaktion der israelischen Armee darauf war – wie der Name schon sagt – eine Reaktion. Man muss Israel nicht mögen. Man kann diesen Staat kritisieren, sich zur Brust nehmen und ihm viele Fragen stellen. Man muss aber, wenn man Journalist ist, die Wahrheit berichten", schreibt Kiewel.

Sie unterstelle den Journalisten in ihrem Bericht über den Gaza-Konflikt "gewiss keine bewusste Falschmeldung". Dennoch komme sie nicht umhin, "mich zu fragen, wie gestandenen Journalisten so ein Fehler unterlaufen kann?" – sie fordert von den Nachrichtenredakteuren, wahrheitsgemäß über politische Ereignisse zu berichten. "Und dazu gehört auch, dass man die zeitliche Reihenfolge von Geschehnissen einhält. Zuerst beschoss Gaza Israel mit Raketen, dann verteidigte sich Israel mit einem militärischen Manöver", so Kiewel.

„So, wie es meine Pflicht als Moderatorin einer großen Unterhaltungsshow ist, in meinen Anmoderationen weder die Künstler, die in meinem "ZDF‐Fernsehgarten" auftreten, noch deren Songs zu bewerten, so ist es für Sie als Nachrichtenredakteure unbedingt Ihre Aufgabe, wahrheitsgemäß über politische Ereignisse zu berichten.“
Andrea Kiewel

Von den ARD-Verantwortlichen gibt es bislang keine Reaktion auf die Vorwürfe der ZDF-Moderatorin.

Die Lage am Rande des Gazastreifen eskaliert erneut

Am Dienstag hatte nach neuen Angriffen militanter Palästinenser im Gazastreifen auf Israels Grenzgebiet die israelische Luftwaffe erneut Ziele in dem Palästinensergebiet attackiert. Israels Armee teilte mit, es seien mehrere Einrichtungen der im Gazastreifen herrschenden Hamas getroffen worden. Für Samstag hatten Palästinenser zum "Eine-Million-Marsch" aufgerufen. Sie wollten damit an den Beginn der Proteste am Grenzzaun vor einem Jahr erinnern. Wegen eines Generalstreiks blieben Geschäfte im Gazastreifen geschlossen.

Die israelische Armee sprach von rund 20.000 Palästinensern, die sich im Grenzgebiet versammelt hätten. Sie würden Steine, Granaten und Sprengsätze auf den Zaun werfen und Reifen anzünden. Die Soldaten würden Maßnahmen zur Auflösung von Unruhen anwenden und auch schießen, hieß es in einer Mitteilung.

Ein Jugendlicher ist nach palästinensischen Angaben bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen erschossen worden. Dies teilten das Gesundheitsministerium in Gaza und der Rettungsdienst Roter Halbmond am Samstag mit. Darüber hinaus seien 99 Palästinenser verletzt worden, darunter zehn durch Schüsse.