TV-Programm am Donnerstag Lecker? Wie aus einer Delikatesse "Fake Food" wird

Von Susanne Haverkamp | 20.06.2019, 09:00 Uhr

Sieht gut aus. Kostet gutes Geld. Ist aber gepanscht. Lebensmittelfälschung ist ein weltweites Geschäft mit riesigen Gewinnspannen. Und wir essen mit.

„Für gutes Olivenöl geben ich schon 15 bis 20 Euro aus“, sagt der Mann in der noblen Münchner Markthalle. „Es gibt schließlich nichts Schöneres, als ein gutes Glas Rotwein zu trinken und dazu frisches Weißbrot in ein wirklich gutes Olivenöl zu tunken.“ Und eine Frau mit denselben Preisvorstellungen sagt: „Das ist es mir wert, schließlich kommt es pur in den Salat.“ Schade nur, dass dieselben Leute nicht in der Lage sind, ein gepantschtes Olivenöl am Geschmack zu erkennen. Von 15 Testern in der Markthalle hat es niemand gemerkt. Im Gegenteil: Zehn von ihnen fanden gerade dieses Öl besonders lecker.

Das zeigt: Wir Verbraucher sind chancenlos. Steht mit Billigöl gestrecktes Olivenöl erstmal mit schicker Verpackung im Regal, wird es gekauft und verspeist. Genauso wie Honig, der mit Zuckerrübensirup gepanscht ist oder Wein, der nur dem Etikett nach vom Nobel-Weingut stammt. Es schmeckt und – das ist die gute Nachricht – es schadet nicht. Aber es ist Betrug und die Gewinnspanne ist riesig.

„Vor zehn Jahren haben wir noch gar nicht gewusst, dass Lebensmittelfälschung ein solcher Markt ist“, sagt Chris Vansteenkiste von Europol in Den Haag. Vor sieben Jahren wurde seine Spezialeinheit und seine „Operation Opson“ gegründet – und seitdem gibt es jedes Jahr Fälle. „Nicht, weil mehr gefälscht wird, sondern weil wir mehr Fälschungen entdecken.“

Olivenöl: das meistgefälschte Lebensmittel

Der Film von Anja Utfeld beschäftigt sich mit drei beliebten Nahrungsmitteln: Olivenöl, Wein und Honig, wobei die Hälfte der Sendezeit auf das Öl entfällt. Dort sind offenbar die Gewinnmöglichkeiten besonders groß. „Es ist einfach zu fälschen, macht einen hohen Umsatz und die Verbraucher haben keine Betrugserwartung“, sagt Vansteenkiste. Obwohl immer mehr Fälle auch öffentlich bekannt werden. So wurden erst Mitte Mai 150 000 Liter verkaufsfertiges Öl beschlagnahmt und Mitglieder einer Bande festgenommen, die seit Jahren gepanschtes Öl für hohe Preise nach Deutschland lieferten.

Geprüft werden die Öle nur stichprobenartig, entsprechend löchrig ist das Kontrollnetz. Und in den Herstellerländern, etwa in Italien, ist die Lieferkette vom Bauern bis zum Massenproduzenten so lang und unübersichtlich, dass Betrug fast jederzeit möglich ist. „Wir entwickeln ständig neue Testverfahren“, sagt Stephan Schwarzinger, Lebensmittelchemiker an der Universität Bayreuth. „Aber es ist wie Doping: Die Betrüger erfinden ständig etwas Neues.“ Zumal, wenn kriminelle Banden mit mafiösen Strukturen dahinterstecken.

Wein: engmaschig geprüft

Bei Wein sieht die Sache etwas anders aus. Deutscher Wein wird geprüft ohne Ende, flächendeckend. „Das ist für uns sehr aufwändig“, sagt ein Winzer. „Aber es hilft gegen die schwarzen Schafe.“ Die zum Beispiel Wein mit Wasser strecken oder künstliche Aromen zusetzen. Erwischt wurden dabei in den letzten Jahren etwa ein Winzer aus Rheinhessen und ein Bio-Wein-Anbieter aus Italien. Noch häufiger, weil schwerer zu kontrollieren, ist dagegen die Umetikettierung: Der Wein ist chemisch okay, aber qualitativ längst nicht so toll, wie auf dem Etikett angegeben. Auf so etwas sollen auch Nobelrestaurants gelegentlich reinfallen.

Noch anders liegt die Sache beim Honig. „Wer in Deutschland ein Glas Honig kauft, kann sicher sein, dass er nicht gepanscht ist“, sagt Rita Storr vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz. Und das gilt nicht nur für deutschen Honig, sondern auch für die Gläser aus aller Welt, die rund 90 Prozent des Marktes ausmachen. Die meisten Verbraucher kaufen aber nicht nur gelegentlich ein Glas Honig, sondern vor allem verarbeiteten Honig. In Müsliriegeln, Süßspeisen, Bonbons. „Mit Honig gesüßt“ klingt nach Qualität – ist es aber oft nicht. Chinesischer Honig zum Beispiel, der einen großen Teil dieses Zuliefermarktes ausmacht, gelangt viel zu früh in Fabriken und wird künstlich entwässert – eine Arbeit, die nach EU-Recht die Bienen übernehmen müssen.

Beim Anschauen dieses Films vergeht einem manchmal der Appetit. Und man fragt sich, ob mehr Geld auszugeben für ein Qualitätsprodukt eigentlich sinnvoll ist. Schmecken tut man den Preisunterschied offensichtlich meist nicht. Andererseits ist es gerade der Preisdruck auf dem europäischen Markt, der Wusch, alles immer billiger haben zu wollen, der zu Betrügereien führt. Kontrolle ist die einzige Möglichkeit. Und internationale polizeiliche Ermittlungen. Denn Ländersache ist Betrug schon lange nicht mehr.

Fake Food – Die Tricks der Lebensmittelfälscher. Am Donnerstag, 20. Juni 2019, um 20:15 Uhr bei ZDF info und am Montag, 22. Juli 2019, um 19.25 Uhr als WISO-Dokumentation im ZDF