Dreharbeiten für ARD-Film Peter Lohmeyer: Viel Spaß beim Taubenrennen in Südafrika

Von Joachim Schmitz | 07.12.2012, 22:57 Uhr

Er hat gerade einen ziemlich guten Lauf: Nahezu wöchentlich ist Peter Lohmeyer in Fernsehen oder Kino in einer starken Rolle zu sehen, am kommenden Mittwoch neben Axel Prahl in der wunderbaren Ruhrgebiets-Tragikomödie „Das Millionen-Rennen“ (ARD, 20.15 Uhr). Derzeit dreht der bekennende Schalke-Fan und Ehemann von Starköchin Sarah Wiener sechs Folgen der ARD-Vorabendserie „Großstadtrevier“, wo er den gesundheitlich angeschlagenen Jan Fedder vertritt. In einem Hamburger Restaurant sprechen wir über seine Rollen, seine Weihnachtswünsche und seinen Lieblingsverein:

Herr Lohmeyer, Sie kommen gerade vom „Großstadtrevier“-Dreh – gab’s was Besonderes?

Ja, eine Supersicht auf Hamburg, das Wetter war unglaublich schön – was sich die Süddeutschen bei Hamburg ja nie so recht vorstellen können. Ich hätte mich am liebsten mit einem Liegestuhl da niedergelassen, wo wir gedreht haben: Auf dem Bunker am Heiligengeistfeld, von wo aus man alle Hamburger Kirchen, die Kräne im Hafen und sogar ein paar Berge am Horizont sieht. Wir mussten allerdings eine Frau davor bewahren, von diesem Bunker runterzuspringen, aber so etwas macht man ja als vernünftiger Polizist.

Vorabendserie ist ja ein bisschen wie zweite Liga, das haben Sie doch gar nicht mehr nötig. Warum machen Sie’s trotzdem?

Mit diesem Vorurteil sollten wir mal aufräumen. Das „Großstadtrevier“ hat über die Jahre ihre Qualität und ihren Kultstatus gehalten, da schaut man gerne mal vorbei. Beim ersten Mal habe ich drei Folgen gedreht, jetzt sind es sechs – das ist ja noch überschaubar. Die Anfrage kam ziemlich spontan, meine Zusage war es auch. Aber dennoch haben wir uns vorher zusammengesetzt und geklärt, dass meine Figur den Weg weitergeht, auf dem sie eingeführt wurde: Wie der Name Harnisch schon sagt – ein widerborstiger Typ, der eigentlich keine Lust hat, Wellensittiche zu retten. Das macht Spaß, ich fahre mit dem Fahrrad dahin, ich komme mit den Leuten gut klar, und wir arbeiten sehr professionell. Nach sechs Folgen ist aber auch gut, länger würde ich mich nicht darauf einlassen, sonst könnte ich nicht genug Luft holen.

Sie sprechen vier Fremdsprachen...

Sagen wir es so: Ich könnte in den Sprachen drehen. Ich kann Französisch, Spanisch und Englisch, aber das Italienische ist durch das Spanische so weit weggerutscht, dass ich mich da wieder richtig einarbeiten müsste. Dieses Interview könnten wir also auf Spanisch, Französisch oder Englisch führen, aber nicht auf Italienisch – das könnte Ibrahimovic vermutlich besser.

Bleiben wir doch beim Deutschen: Bald ist Weihnachten – ich bin die gute Fee, und Sie haben bei mir drei Wünsche offen. Was hätten Sie denn gern?

Ich würde gern von einem Moment auf den anderen perfekt Klavier spielen können. Dann wünsche ich mir mal mehr Ruhe, wo immer die auch herkommen soll. Und dann hätte ich gern mal ein Jahr lang vernünftiges Wetter. 23 Grad, mehr muss nicht sein.

Und was wünschen Sie sich von Ihrer Frau?

Wir schenken uns nichts zu Weihnachten. Das heißt, wir wünschen uns nichts, weil das so anstrengend ist, aber am Ende schenken wir uns natürlich doch wieder was. Wobei ich mich lieber überraschen lasse, als mir etwas zu wünschen. Wenn ich mir einen grauen Pullover wünsche und der dann kratzt, ist das doch doof. Wenn sie mich aber mit einem kratzigen Pullover überrascht, finde ich es nicht so schlimm.

Zum 50. Geburtstag haben Sie sich ein Klavier gewünscht und bekommen. Das ist jetzt ein knappes Jahr her.

Das Klavier habe ich aber erst im Sommer bekommen.

Was können Sie schon?

Nur Etüden, noch kein Lied, das will ich auch gar nicht. Aber ich übe jeden Tag, meistens vormittags und nachmittags jeweils 20 bis 30 Minuten.

Mit Klavierüben kann man seinen Nachbarn ganz schön auf den Geist gehen.

Das hören die gar nicht, die haben gerade ein Baby gekriegt – da steht’s also 1:1.

Als Sohn eines Pfarrers gehen Sie Weihnachten sicher in die Kirche, oder?

Wenn es sich ergibt. Muss nicht sein, kann aber sein. Regelmäßiger Kirchgänger bin ich jedenfalls nicht. Es gibt schöne Kirchen, aber die sind zu Weihnachten dann auch immer so voll.

Haben Sie selbst denn mal erwogen, Pfarrer zu werden?

Nie. Mein Vater hat aber auch nicht versucht, das an uns weiterzugeben, deshalb ist mein Bruder auch nicht Pfarrer geworden. Mein Großvater, den ich nie kennengelernt habe, war Pfarrer, mein Vater auch – und das ist genug der Tradition.

Stattdessen haben Siemal als Gebrauchtwagenhändler gearbeitet.

Na ja, ich hab mal mit Gebrauchtwagen gedealt und mir damit mein Studium finanziert. Ich habe ein Auto für – sagen wir – 600 Mark gekauft, habe es lackiert, ausgebessert, abgedichtet, durch den TÜV geschoben und für 1200 Mark wieder verkauft. Ich fand immer, dass Gebrauchtwagenhändler was haben – und seit ich in einem Interview mal gesagt habe, das hätte ich mir als Alternativjob vorstellen können, hängt mir das nach.

Ist ja nicht so schlimm, Sie sind ja erfolgreicher Schauspieler geworden. Ihr Film „Das Millionen-Rennen“ spielt im Ruhrgebiet – für sie etwas Besonderes?

Das ist meine Ex-Heimat, da komme ich quasi nach Hause zum Dreh. Drehbuchautor Benjamin Hessler kommt aus Bochum, der spricht meine Sprache, da kann ich dem Text vertrauen. In Lünen gab’s für das „Millionen-Rennen“ schon einen Preis für den besten Ruhrgebiets-Film. Und auch Taubenzüchter haben mir bestätigt: Genauso war’s und ist es. Aber auch der Ausflug zum Taubenrennen nach Südafrika hat extrem viel Spaß gemacht.

Da hat dann im wirklichen Rennen in Sun City eine Taube aus Oer-Erkenschwick den Hauptpreis von 135000 Euro gewonnen. Das ist Ihnen als Junge des Ruhrgebiets doch sicher ans Herz gegangen.

Ja, ich habe mich gefreut. Und nachher gab’s ein richtig nettes Interview mit dem Züchter in der „Süddeutschen Zeitung“. Der war nämlich gar nicht nach Sun City gereist, sondern hat nur seine Taube da fliegen lassen. Aber es war auch für ihn ein richtig tolles Wochenende, weil Schalke auch noch in Köln gewonnen hat.

Ihr Partner im Film ist Axel Prahl, der „Das Millionen-Rennen“ besser findet als seinen letzten Münster-„Tatort“. Wenn er den dreht, hat er mit Jan Josef Liefers so viel Spaß bei der Arbeit, dass sich die Drehtage manchmal enorm in die Länge ziehen. War das bei Ihnen auch so?

Nee. Ich gehe gerne rechtzeitig nach Hause. Bei uns gab’s auch nicht so viel zu lachen. Wenn wir noch zusätzlich Späßchen gemacht hätten, wären wir nicht fertig geworden. Und was die da beim Münster-„Tatort“ machen, weiß ich nicht, ich habe erst einen einzigen gesehen.

Sie sind ja längst Großstädter – und jeder Großstädter ist ein Taubenhasser...

Ich habe gerade zwei weggekriegt vom Balkon. Ich habe viermal deren Nest weggefegt, und jetzt ist Ruhe.

Tauben richtig zubereitet sind eine Delikatesse.

Dann lieber Wachteln. Aber Sie haben recht: Zunächst sind Tauben ja gezüchtet worden, weil die Leute Hunger hatten. Erst später kam dann der Sport.

Letztens waren Sie als Hamburger Kommissar Jan Fabel in dem Klassekrimi „Blutadler“ zu sehen. Geht’s weiter damit?

Ich warte dringend auf Nachricht, ob wir im Frühjahr wieder eine Folge drehen. Die Quoten waren ja nicht schlecht – 4,3 Millionen Zuschauer trotz Lanz‘ zweiter „Wetten, dass..?“-Sendung im Zweiten. Ich fände es gut, wenn sich ARD und Degeto trauen, noch einen zu drehen. Viele Leute haben mir gesagt: Mensch, endlich mal ein richtig spannender Film.

Ich dachte: Das wäre ein guter Hamburger „Tatort“-Kommissar. Hat man Sie mal gefragt?

Nein, auf die Idee ist keiner gekommen. Ganz früher bin ich mal angesprochen worden, da sollte ich mit Martin Lüttge in Düsseldorf antreten, aber das habe ich abgesagt. Das war mir nicht ganz koscher.

Sie haben nie in Gelsenkirchen gewohnt, sind fünf Jahre in Dortmund zur Schule gegangen – aber Schalke-Fan. Warum?

Wahrscheinlich, weil mir Blau besser gefiel als Gelb. Vielleicht war’s ja auch Libuda bei der WM in Mexiko.

Wie verbringen Sie eigentlich Ihre Samstagnachmittage, wenn die Bundesliga spielt?

Wenn ich nicht im Stadion bin, dann spiele ich um halb drei erst mal selbst Fußball. Das heißt, ich komme regelmäßig eine halbe Stunde zu spät zur Übertragung.

Nörgelt Ihre Frau nicht, wenn Sie erst Fußball spielen und dann Fußball gucken?

Die weiß ja vorher Bescheid, das ist kein Thema. Und wenn wir so drauf sind, dass wir mal rausfahren wollen ins Grüne, ist das auch kein Thema. Das kann ich dann verkraften.

Bald ist Winterpause in der Bundesliga – die schlimmste Jahreszeit für Sie?

Ja, schon irgendwie langweilig. Da kann man dann ja viel spazieren gehen. Ich finde, die Bundesliga könnte ruhig mal durchspielen, so wie in England. Die sollen sich nicht so anstellen.

Ihr Kollege Matthias Brandt guckt sich die Spiele von Werder Bremen am liebsten allein an – wie ist das bei Ihnen?

Ist mir Latte. Hauptsache, es kommt keiner mit, der nichts vom Fußball versteht, dann wird’s mir zu anstrengend und zu blöd. Jemanden, der zu viel quatscht und sich zu weit aus dem Fenster lehnt, kann ich auch nicht gebrauchen. Meistens fahre ich mit einem Freund aus Bochum nach Schalke – der hat einen neutralen Blick, das ist wahrscheinlich das Beste.

Wie weit kommt Schalke in der Champions League?

Ganz weit. Im Fußball ist alles möglich, das erhält mir auch meine Freude am Fußball. Ich gucke mir die Spiele meiner Mannschaft an, um sie gewinnen zu sehen. Und ich traue Schalke das Halbfinale zu, danach kann alles passieren.

Peter Lohmeyer...

...wird am 22. Januar 1962 in Niedermarsberg im Sauerland als jüngster Sohn des evangelischen Pfarrers Dieter Lohmeyer und seiner Frau Walpurg geboren. Er hat zwei Geschwister. Bedingt durch den Beruf und die damit verbundenen Umzüge des Vaters, geht Peter Lohmeyer in Hagen, Stuttgart und Dortmund aufs Gymnasium.

Kurz vor dem Abi bricht er die Schule ab und wird in Bochum zum Schauspieler ausgebildet. 1984 spielt er unter Intendant Claus Peymann am Schauspielhaus. Es folgen diverse Theaterengagements bis 1993. Den ersten TV-Auftritt hat Lohmeyer bereits 1983 in „Der Kampfschwimmer“. Im Kino erzielt er zunächst in den Dominik-Graf-Filmen „Tiger, Löwe, Panther“ und „Der Spieler“ Erfolge. Als cooler, mimisch eher sparsam agierender Schauspieler wird er in zahlreichen Kinofilmen, aber auch TV-Krimiserien populär. Internationalen Erfolg hat er mit dem Fußball-Kriegsheimkehrerdrama „Das Wunder von Bern“ (2003). Aktuell ist er am kommenden Mittwoch in der Tragikomödie „Das Millionen-Rennen“ (ARD, 20.15 Uhr) (links) zu sehen. Leider nur in wenigen Kinos wird der hervorragende Film „Festung“ gezeigt, in dem Lohmeyer einen prügelnden Ehemann darstellt. Seit 2008 ist Lohmeyer mit der TV-Köchin Sarah Wiener verheiratet. Aus zwei früheren Beziehungen hat der bekennende Schalke-Fan – einst Jugendspieler beim VfB Stuttgart – vier Kinder.