Doppelte Hysterie #Varoufake: Jan Böhmermanns gelungene Medienkritik

Meinung – Stefanie Witte | 19.03.2015, 19:10 Uhr

Kein Thema hat den medialen Donnerstag so beherrscht, wie #Varoufake, die Fälschung der Fälschung eines Videos vom griechischen Finanzminister. Jan Böhmermanns Coup war nicht nur Werbung für seine ZDF-Sendung, sondern auch gelungene Medienkritik.

Beeindruckender als die doppelte Täuschung beim Varoufakis-Video ist die doppelte Hysterie. Böhmermann führt einen medialen Mechanismus vor: Er zeigt, wie sich die öffentliche Meinung mitreißen lässt – sei es durch Zuspitzung (Mittelfinger) oder durch vermeintlich heiße Neuigkeiten (Fälschung). Sein Team hat auf elegant-subversive Weise bewiesen, dass sich eine solche Hysterie künstlich schaffen lässt. Der Beleg: Die Öffentlichkeit hat sich auf beide Themen genüsslich gestürzt.

Außerdem trifft seine Kritik: Die Jauch-Sendung mit dem wenig neutralen Titel „Der Euro-Schreck stellt sich“ präsentiert Varoufakis als Motorrad fahrenden Rowdy und schließt die Beweiskette mit dem bekannten Videoausschnitt. Bewusst reduziert die Redaktion das Verhalten einer kompletten Nation auf eine vermeintliche (zwei Jahre alte!) Verfehlung eines Politikers.

Der Zuschauer darf sich empören. Stellvertretend schreibt Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner: „Von den Griechen lasse ich mir keinen Stinkefinger zeigen.“ Sowohl die Hysterie als auch die reißerische Reduktion führen dazu, dass das Publikum das Interesse an Hintergründen verliert und das Thema abstempelt.

Hoffnung macht Böhmermann, der statt trockener Theorie Medienkritik als Selbsterfahrung serviert.