Do., 26. Juli, 20.15 Uhr Schon gesehen: „Die Kennedys“ auf Arte

Von Tom Heise | 26.07.2012, 04:23 Uhr

Papa Joe ein karrieresüchtiger Despot, Mama Rose eine kaltherzige Katholikin. John F. Kennedy ein medikamentenschluckender Schwerenöter, Bruder Bobby knallharter Politprofi, Jackie und Ethel die frustrierten Ehefrauen. So ist zumindest die Darstellung des legendären Kennedy-Clans in dem preisgekrönten, aber umstrittenen amerikanisch-kanadischen Achtteiler, den Arte an drei Freitagen ausstrahlt.

Umstritten, weil liberale Amerikaner bewusste Geschichtsverzerrung durch den erzkonservativen Produzenten Joel Surnow („24“) vermuteten. Der auftraggebende US-Sender „History“ nahm die Serie sogar aus dem Programm.

Geboten wird dem Zuschauer ein historischer Abriss einer tragischen Familiengeschichte von den 40er-Jahren bis zum Attentat auf Bobby im Juni 1968. Formal bewegt sich der Film zwischen „Denver-Clan“ und Doku-Drama. Inhaltlich vermischen die Macher Fakten und Fiktion zu einer politisch-privaten Seifenoper, die zuweilen polemisch, oft aber kitschig wirkt. Der Mythos Kennedy wird hier nicht geschont, sondern seziert.

Freunde schlichter Fernsehunterhaltung werden an den „Kennedys“ ihre Freude haben. Anhänger fundierter geschichtlicher Darstellung werden sich wohl grämend abwenden.

Wertung: 3 von 6 Sternen