Heute Abend IM ARD-Programm "Die Anden - Natur am Limit" - Neuer ARD-Dreiteiler

Von Frank Jürgens | 01.07.2019, 07:53 Uhr

Der bildgewaltige Dreiteiler über "Die Anden - Natur am Limit" (Das Erste, montags, 20.15 Uhr) zeigt nicht nur faszinierende Naturaufnahmen, sondern vermittelt darüber hinaus auch Zusammenhänge über den Einfluss von geologischen Veränderungen auf den Lauf der Evolution.

Die südamerikanischen Anden sind eine Gebirgskette der Superlative. Mit einer Länge von mehr als 7000 Kilometern ziehen sie sich vom Norden am Äquator bis nach Patagonien. Der höchste Gipfel der Anden befindet sich in 6961 Metern Höhe auf dem Aconcagua, dem höchsten Berg außerhalb Asiens. Dabei gilt die Gebirgskette noch als verhältnismäßig jung.

Die eigentliche Gebirgsbildung der Anden hat erst im späten Eozän vor rund 45 Millionen Jahren begonnen. Erdgeschichtlich gesehen ein Witz. Die Alpen haben beispielsweise knapp 100 Millionen Jahre mehr auf ihrem krummen Buckel. Dabei ist der von massivem Vulkanismus begleitete Entstehungsprozess der Anden noch in vollem Gange. Kein Wunder. Schließlich ist die Gebirgskette als Teil des Pazifischen Feuerrings permanent Veränderungen unterworfen. Aber nicht nur Erdbeben und Vulkanausbrüche machen das Leben in dieser Region zu einer echten Herausforderung. Auch die gewaltigen Höhenunterschiede zwischen Berg und Tal sorgen für klimatische Bedingungen, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten.

Verdammt kalt

„Schneeberge am Äquator“ heißt dann auch gleich die erste Episode des Dreiteilers „Die Anden – Natur am Limit“. Und das hat erst einmal überhaupt nichts mit dem Klimawandel zu tun. Schließlich ist in 6000 Metern Höhe auch am Äquator die Luft nicht nur dünn, sondern auch verdammt kalt. Beste Voraussetzungen für ein „Mosaik völlig unterschiedlicher Lebensräume“, wie es einleitend heißt.

Da gelingen unter tropischer Sonne freilich beinahe wie von alleine faszinierende Naturbilder der Flora und Fauna, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Während in 5000 Metern Höhe eine Brillenbärin mit ihren drei Jungen in tropischer Eiseskälte ums Überleben kämpft, ist in tieferen Lagen in tropischer Schwüle eine faszinierende Artenvielfalt zu beobachten. Auch wenn einige Arten dort, trotz relativer Abgeschiedenheit, vom Aussterben bedroht sind.

Seltene Säugetiere

Wie zum Beispiel der Gelbschwänzige Wollaffe, eines der seltensten Säugetiere der Welt, das in einem Tal in rund 2000 Metern Höhe lebt und als anschauliches Beispiel dafür dient, wie die relativ schnelle Auffaltung der Gebirgskette die Evolution durch Isolation beeinflusst hat. Doch nicht nur ohnehin seltene Arten wie der Gelbschwänzige Wollaffe sind in ihrer Existenz bedroht. Mittlerweile tauen sogar die tropischen Gletscher als wichtigste Wasserspeicher der Region schneller auf, als sie nachwachsen können.

Aber auch, wenn sich das Thema Klimawandel heutzutage kaum noch aus einem Naturfilm heraushalten lässt, geht es Filmautor und Produzent Christian Baumeister und seinem Team vor allen Dingen um die Vermittlung von naturkundlichen und erdgeschichtlichen Zusammenhängen. Dies freilich hübsch verpackt in faszinierende, atemberaubende Bilder und kleine Geschichten mit tierischen Protagonisten von Brillenbären über Flamingos und Pumas bis hin zum – natürlich – Andenkondor.

500 Drehtage

Dabei sieht man den spektakulären Aufnahmen freilich nicht an, wie viel Arbeit hinter den atemberaubenden Bildern steckt. Auch wenn modernste Technik wie Drohnen und Hochleistungskameras zum Einsatz kommt – Baumeister und sein Team der Münsteraner Produktionsfirma Light & Shadow GmbH mussten für ihren Dreiteiler zahlreiche Mühen und Strapazen zwischen tropischer Schwüle und Eiseskälte in dünner Luft auf sich nehmen.

Rund 500 Drehtage, verteilt auf drei Jahre, dauerte es, bis alle Bilder im Kasten waren. Dafür wurden insgesamt rund 30000 Kilometer durch sechs Länder zurückgelegt. Zum Teil unter lebensgefährlichen Bedingungen. Mal geriet das Team ungeschützt in ein heftiges Unwetter. Mal drohte der Hubschrauber abzustürzen. Aber das Ergebnis ist überwältigend. Eine bildgewaltige Verbeugung vor der Vielfalt der Natur in all ihren Facetten, wie es sie nur in den Anden gibt.

Die Anden – Natur am Limit (1/3). Das Erste, montags, ab 24. Juni, 20.15 Uhr.

TEASER-FOTO: