„Deutschland-Safari“ jetzt montags Schräge Tour

Von Frank Jürgens | 09.09.2011, 14:36 Uhr

Erneut geht Henryk M. Broder, mit Kamerateam bewaffnet, auf eine „Deutschland-Safari“. Zu seinen skurrilen Trophäen zählen nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Verschwörungstheoretiker und seltsame Politiker, sondern auch Pop- und TV-Sternchen Indira.

Ist der Publizist Henryk M. Broder auf seine alten Tage nun unter die Sugar Daddies gegangen? In der ersten von neuen fünf Episoden seiner „Deutschland-Safari“ erweckt er beinahe diesen Anschein. Sehr zum Entsetzen und Befremden seines Begleiters Hamed Abdel-Samad. Während der gebürtige Ägypter Abdel-Samad seine freie Zeit zum „Flanieren“ durch die Straßen Kairos nutzte, verraten erste Filmausschnitte, wie Indira mit Broder Schlauchboot fahren ging. Aber es kommt noch schlimmer, wie man hören kann. Indira redet. Und wenn Indira redet, dann verstummt sogar Broder.

Zum Glück für die Zuschauer ist das nicht alles. Auch diesmal tuckern Broder und Abdel-Samad auf ihrer 30000 Kilometer langen Deutschlandtour an allerlei Skurrilitäten vorbei, die kaum ein Mensch zuvor zu sehen gewagt hat.

Passend zum 11. September, geht es in der ersten Episode durch das Land der Dichter und Verschwörungstheoretiker. Auf gewohnt provokant-pointierte Weise lassen die erfahrenen Safari-Teilnehmer die Kameras dort hinhalten, wo es am meisten wehtut. Da ereifern sich dann beispielsweise zwei Imbissbudenbesitzer in wilden Spekulationen und geben ihre ganz eigene Wahrheit über den 11. September, die bösen Juden und eine ihrer Meinung nach längst in Syrien einmarschierte US-amerikanische Armee preis. „Komisch oder gruselig?“, fragen sich nicht nur die beiden Expeditionsteilnehmer. Noch schriller gelingt eine Stippvisite bei Oberverschwörer Jürgen Elsässer, von dem auch Broder und Abdel-Samad nicht genau wissen, ob der nun rechts- oder linksradikal ist. Die im Grunde genommen wortlose Antwort auf die sehr schräg klingende Frage, ob vielleicht auch „Osama Bin Laden ein CIA Agent“ war, ist erschreckend und komisch zugleich. Eine Geste, die mehr über den geistigen Zustand medialer Volksverwirrung aussagt, als man je in Worte kleiden könnte.

Keine Verschwörungstheorie lauert hingegen hinter dem sehr späten, nun von Sonntag- in die Montagnacht verschobenen Sendeplatz, wie uns ARD-Sprecher Burchard Roever versichert. „Ein früherer Sendetermin würde bedeuten, dass wir bewährte Regelsendungen aus dem Programm nehmen müssten. Das wollen wir nicht. Vor allem nicht jetzt, da wir unser Publikum an ein neues Programmschema gewöhnen wollen.“ Im Grunde genommen ist der späte Sendeplatz sogar als Auszeichnung zu verstehen. Schließlich weiß der geübte Zuschauer: je nächtlicher der Sendeplatz, desto besser die Sendung. Und diese „Deutschland-Safari“ läuft wirklich extrem spät.

Entweder Broder – Die Deutschland-Safari, ARD, Montag, 12. September, 23.30 Uhr