Das Abruf-Videoportal „Kinderkino“ bedient Online-TV und bald auch Smartphones iPad statt Ki.Ka

Von Marcel Kawentel | 28.09.2011, 11:44 Uhr

Eltern werden es kennen: In der Glotze läuft mal wieder „nichts für Kinder“. Der Ausweg führt ab jetzt ins Netz: Auf internetfähigen Fernsehern bietet das Portal „Kinderkino“ ab sofort eine Funktion an, über die sich Kinderfilme und -serien abrufen lassen.

Zunächst funktioniert das Ganze nur für Philips-Geräte, weitere Marken werden voraussichtlich im nächsten Monat folgen. Die Endkontrollen der Hersteller für die technische Umsetzung laufen bereits. Die Zukunft aber gehört den sogenannten mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets. Auch hier will „Kinderkino“ im nächsten Monat aktiv werden, schließlich gibt es gerade auf Reisen erhöhten Filmbedarf für Kinder („Wann sind wir endlich da?“). In Form von Apps kann dann auf Mobiltelefonen mit den Betriebssystemen Android und IOS/Apple Video-Content bestellt werden. Die Sendungen sind sowohl einzeln als auch per Abo bezahlbar, können heruntergeladen oder – je nach Leistungsfähigkeit der Internet-Verbindung – in Echtzeit als Stream angeschaut, gekauft oder nur geliehen werden.

Das bieten auch vorhandene Portale schon an. Bei „iTunes“ etwa gibt es eine eigene Rubrik für Familien- und Kinderfilme. „KiKi“-Geschäftsführer Till Boller betont allerdings, dass er nicht alles anbietet, was möglich ist. Wie in einem Fernsehsender gibt es auch bei „Kinderkino“ eine Redaktion, die auswählt, was ins Programm kommt, was kindgerecht und pädagogisch wertvoll ist. Außerdem kontrolliert – wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben – ein Jugendschutzbeauftragter die Seite auf „entwicklungsbeeinträchtigende oder jugendgefährdende Inhalte“.

Till Boller sieht sein Angebot als Ergänzung zum Fernsehprogramm, nicht als Konkurrenz. Videotheken habe es früher auch schon gegeben. „KiKi“ sei eben eine Erweiterung des Benutzerkomforts. Mit einem bilingualen Angebot besetzt „Kinderkino“ außerdem eine Nische, aus der sich das Fernsehen längst zurückgezogen hat. Bislang gibt es die Sendungen nur auf Englisch, und das Angebot ist noch recht überschaubar. Schrittweise soll der Fremdsprachenbereich aber noch auf Türkisch und Spanisch ausgeweitet werden.

Gut möglich, dass hier über den Brückenkopf der jüngsten Zielgruppe eine stille Revolution des Fernsehens stattfindet. Zwar stellen mittlerweile fast alle TV-Sender ihre Sendungen in Online-Mediatheken zur Verfügung. Und auch Aufzeichnen, zeitversetztes Abspielen und Unterbrechen von Sendungen ist mit modernen TV-Geräten kein Problem. All das betrifft aber natürlich nur das aktuelle Programm. Bei „KiKi“ wird der Liebhaber alter Kinderklassiker wie „Tao Tao“ ebenso fündig wie der Spätzünder, der einen aktuellen Kinofilm verpasst hat.

Künftig werden sich Eltern, die dem Fernsehkonsum kritisch gegenüberstehen, also ein schlagenderes Argument einfallen lassen müssen als: Gibt nichts, dann machen wir aus.