„Blochin“ im ZDF Jürgen Vogel wandelt in „Blochin“ zwischen den Welten

Von Sarah Engel | 25.09.2015, 08:43 Uhr

Mit der neuen Krimi-Serie „Blochin“ will das ZDF die Serienlandschaft im deutschen Fernsehen revolutionieren. In fünf Folgen werden die Figuren um Hauptdarsteller Jürgen Vogel zu Grenzgängern, die in düstere Welten abtauchen, obwohl sie nur das Beste für sich, ihre Familie und Freunde wollen.

Auf einen sanften Kuss folgt ein schneller Schuss. In wenigen Sekunden schlägt die ruhige Stimmung mit rieselnden Schneeflocken, historischer Schwarz-Weiß-Optik und leichter Klaviermusik um. Ein junges Paar wird im verschneiten Wald getrennt. Das Mädchen stirbt an den Folgen der ersten Kugel, den Jungen bringt ein zweiter Schuss zu Fall. Doch statt zu sterben, erwacht der junge Mann im Leichenschauhaus – ohne jede Erinnerung. Einziger Anhaltspunkt an sein früheres Leben: eine alte Fußballfankarte. Fortan nennt er sich wie der abgebildete Spieler: Blochin.

Vom Kriminellen zum Polizisten

Dreißig Jahre später hat der Junge ohne Kindheit immer noch keinen Vornamen. Doch er hat eine bewegte Vergangenheit, und diese droht sein Leben zu zerstören. Mit der Serie „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ zeigt das ZDF an diesem Wochenende eine neue deutsche Serie, die die Grenzen von Gut und Böse auflöst. Denn Blochin, gespielt von Jürgen Vogel, war nicht immer treu sorgender Familienvater und engagierter Polizist. Vor seiner Zeit als Beamter war er in der Berliner Drogenszene unterwegs. Lügen, Gewalt und Morde bestimmen seinen Alltag. Und Letzteres bringt sein Leben viele Jahre später ins Wanken.

Durch einen Mord in der Szene wird Blochin, der nach seiner kriminellen Karriere erst zum Drogendezernat und anschließend zu seinem Schwager Dominik Stötzner (Thomas Heinze) in die Mordkommission 7 wechselte, von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein alter Kumpel erpresst ihn mit einem Video. Dabei gerät Blochin schon im Alltag an seine Grenzen.

Die Serie wird vom steten Klingeln seines Handys untermalt, mit seinem Motorrad brettert er über die Straßen Berlins. Der Polizist ist immer in Eile und gewillt, den Spagat zwischen Beruf und Familie zu schaffen. Denn nicht nur die Fälle der Berliner Mordkommission sind hart, auch sein privates Leben hat Risse. Seine Frau Inka (Maja Schöne) leidet an Multipler Sklerose und der Angst vor dem nächsten Schub.

Einblicke in die Psyche

Ein ganzes Wochenende widmet das ZDF der Geschichte von Blochin. Dabei war der Stoff von Matthias Glasner, verantwortlich für Drehbuch und Regie, ursprünglich für einen 90-minütigen Film eingeplant. Doch die einzelnen Erzählstränge, die tiefe Einblicke in die Psyche und Beweggründe der verschiedenen Figuren geben, boten Raum für ein größeres Projekt. Sechs Stunden und fünf Folgen umfasst nun die erste Staffel. Acht weitere Episoden sollen in Auftrag sein. Folge eins – der Pilotfilm – wird am Freitagabend gezeigt, die Folgen zwei, drei und vier schließen sich am Samstagabend an. Das Finale folgt am Sonntagabend. Zudem stehen alle Folgen in der Mediathek zum Abruf bereit. Damit folgt das ZDF dem Vorbild von Streaming-Portalen.

Öffentlich-Rechtliche haben Nachholbedarf

Denn die öffentlich-rechtlichen Sender haben im Serienbereich Nachholbedarf. Vor allem junge Menschen schalten abends nur noch selten den Fernseher ein, vielmehr streamen sie amerikanische, britische oder skandinavische Serien von Online-Anbietern wie Netflix oder Amazon. Hauptdarsteller Jürgen Vogel hofft, nicht nur durch die Möglichkeit der Mediathek, sondern auch die horizontale Erzählweise von „Blochin“ den Nerv der Zuschauer zu treffen. „Wir zeigen, dass auch deutsche Serien was können und nicht hinterherhinken“, sagt Vogel im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wenn unsere Serie und das Konzept funktionieren, wird das der Beginn einer neuen Form, wie sich das deutsche Fernsehen etwas traut.“

Grenzgänger zwischen den Welten

Mut haben er und Regisseur Glasner bereits in der Vergangenheit mehrfach bewiesen. Spannend und zwiespältig sind die Projekte, die die beiden Freunde seit mehr als zwanzig Jahren gemeinsam entwickeln. Ihre Darsteller werden dabei zu Grenzgängern zwischen den Welten. Das Böse steckt in jedem von uns, findet Vogel. „Es ist aber entscheidend, wo wir leben und aus welcher Welt wir kommen. Aber prinzipiell ist es das Schicksal jedes Menschen, dass er Gutes tun möchte, das aber nicht schafft“, sagt der Schauspieler.

Exakt dieses Dilemma verfolgt die Figuren in „Blochin“. Folge für Folge schlittern die Charaktere von einer Straftat in die nächste, dabei sehnen sie sich nur nach ihrer alten heilen Welt zurück. Diese menschlichen Abgründe und Fehler liefern die Spannung der Serie, in der sich der Zuschauer nie sicher sein kann, wie sich das Blatt am Ende wendet.