„Besser als du“ Christoph Maria Herbst bewahrt Komödie vor dem Untergang

Von Hendrik Steinkuhl | 16.04.2015, 16:07 Uhr

Zum ersten Mal spielt der großartige Christoph Maria Herbst eine Doppelrolle und rettet damit eine weitere deutsche TV-Komödie vor dem völligen Stumpfsinn. Weil der Film keine übermäßige Aufmerksamkeit verdient, sprachen wir mit Herbst auch über Stromberg, Selbstzweifel – und Loriot.

Zu einem Film, der vor Klischees trieft, gehört auch die filmtypische Nachwuchsverteilung: ein Junge im Grundschulalter, ein Mädchen in der Vollpubertät. Und weil im Mittelpunkt ein überforderter Familienvater steht, darf natürlich auch der Auftritt des Lovers der Tochter in Unterhose nicht fehlen. „Wer ist das?“, fragt Tom seinen stotternden Sohn Jonas. „Weiß nicht. Hab gehört, er hat ne L-L-La-La...“, sagt der Sohn, woraufhin Papa helfen will: „Lala? Musik, ne Band?“, doch dann bringt Jonas das Wort endlich heraus: „Latexallergie.“ Das ist quietschlustig. Doch mehr Momente von dieser Qualität hat der Film nicht.

Christoph Maria Herbst spielt in „Besser als du“ einen Sprachtherapeuten mit stotterndem Sohn, krawalliger Tochter – und scheidungswilliger Ehefrau. Eine Woche gibt sie dem langweiligen Logopäden noch, um das Ruder herumzureißen. Da trifft Tom seinen ihm bislang unbekannten Zwilling Matthias; einen Schauspieler, ne richtig coole Type, was der Film durch 80er-Jahre-Sprüche wie „Alter, mach mal hier nicht so ne Thermik!“ darzustellen versucht. Das ist genauso albern wie der Rollentausch der beiden, bei dem der Schauspielerbruder schon enorm punktet, indem er einmal für die ganze Familie Pizza bestellt. Tom geht derweil als Matthias zum Vorsprechen und begeistert durch seine bescheidene Art, die der Regisseur von dem echten Matthias so gar nicht kennt.

So weit, so vorhersehbar, so öde – wenn nicht der wie immer umwerfende Christoph Maria Herbst die beiden Hauptfiguren spielen würde, was mit einigen Herausforderungen verbunden war. „In den Szenen, in denen beide vorkommen, darf ich zum Beispiel nicht in die ,Aura‘ des anderen reingreifen, denn das kann später technisch nicht mehr ausgeglichen werden,“ sagt Herbst im Gespräch mit unserer Redaktion. Als Anspielpartner hatte Herbst einen, wie er sagt, sehr guten Schauspieler, der sich den Text draufgeschafft habe, sich aber natürlich nicht frei entfalten konnte. „Ich habe ihm immer gezeigt, wie ich das spielen würde, und dann musste er das wie ein Papagei imitieren. Da darf man natürlich nicht profilneurotisch sein.“

Hoher Anspruch an sich selbst

Auf die Frage, bis zu welchem Zeitpunkt in seiner Karriere er so einen Job übernommen hätte, antwortet Herbst, noch in den 90ern wäre er heilfroh gewesen, auf diese Art beim Fernsehen einen Fuß in die Tür zu kriegen. Christoph Maria Herbsts Schauspielkarriere verlief alles andere als geradlinig, nach zahlreichen Absagen an Schauspielschulen und Bühnen bekam er 1989 sein erstes Engagement am Landestheater in Dinslaken. „Auch in Osnabrück habe ich damals erfolglos vorgesprochen.“ Bei den Vorsprech-Szenen in „Besser als du“ sei dann auch die eine oder andere Wunde wieder aufgebrochen. „Wir mussten aber nicht den Dreh unterbrechen, weil Herr Herbst eine Stunde geweint hat.“

Die fehlende Ausbildung sieht Christoph Maria Herbst heute als eine Stärke. Er sei sich in seinem Spiel nie absolut sicher, noch kein einziges Mal habe sich Routine eingeschlichen. Und um seinen hohen Anspruch an sich selbst zu erfüllen, solle das auch bitte so bleiben.

Fans können sich auf Stromberg-Momente freuen

Bei anderen klänge das wie eine Phrase, doch Christoph Maria Herbst möchte man schon deshalb jedes Wort glauben, weil er so höflich ist. Er begrüßt und verabschiedet den Journalisten am Telefon mit dessen Namen, beschwert sich nicht über blöde Fragen, und er ist kein bisschen genervt, wenn man ihn wie schon tausend andere zuvor auf Bernd Stromberg anspricht. Die Rolle ist für ihn Fluch und Segen zugleich, das hat er schon oft gesagt. Aber jetzt wird er noch deutlicher: „Ich spiele nun natürlich auch gegen alle an, die glauben, ich hätte nur den Stromberg drauf.“

Für den Fan gibt es aber auch in „Besser als du“ ein paar Stromberg-Momente. Wenn die beiden Hauptfiguren in ihrem durch den Rollentausch völlig neuen Umfeld Personen grüßen, die sie nicht kennen, spricht Christoph Maria Herbst das „Hallo Frauuu...“ in der bekannten Stromberg-Tonart. Doch der Schauspieler sagt, dass es sich in beiden Fällen um ein Fremdzitat handelt: „Das ist meine Verbeugung vor dem Großmeister Loriot .“ Und natürlich, wer „Pappa ante Portas“ gesehen hat, kann die Imitation des verpeilten Haustyrannen Heinrich Lohse sofort als solche erkennen.

Loriot, wen wundert es, wäre übrigens ein Regisseur gewesen, unter dem Christoph Maria Herbst liebend gerne gespielt hätte. „Da hätte ich sogar noch Geld mitgebracht.“

 Besser als du, ARD, Freitag, 17. April, 20.15 Uhr.