Am Samstag im Fernsehen "Das kann man nicht planen": Wie Julia Melchior Königshausreporterin wurde

Von Susanne Haverkamp | 24.08.2019, 11:12 Uhr

Letizia von Spanien, Mathilde von Belgien und Maxima der Niederlande: drei Frauen, die ihren Königinnen-Job machen. Julia Melchior hat zwei von ihnen intensiv begleitet und erzählt, wie sie zur Königshaus-Reporterin wurde und was sie an den Königinnen bewundert.

„Sowas kann man nicht planen“, sagt Julia Melchior und lacht. „Ich wollte nicht schon als Kind Berichterstatterin für Königshäuser werden, und ein besonderes Faible für die Monarchie hatte ich auch nie.“ Nein, die 43-Jährige, die gerade ganz unspektakulär mit ihrer Familie an der Nordsee Urlaub gemacht hat, ist ganz zufällig zu ihrem Job gekommen.

„Ich habe BWL studiert und nach dem Diplom bei einer Unternehmensberatung angefangen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Nach drei Jahren habe sie ein „sabbatical“ genommen, eine Auszeit, die in der amerikanischen Firma nichts Ungewöhnliches war. „Ich habe in der Zeit ein bisschen bei Freunden mitgearbeitet, die gerade eine Produktionsfirma für Dokumentarfilme gegründet hatten.“ So kam sie ans Filmemachen.

„Die Männer haben sich weggeduckt"

Nach ihrem Sabbatjahr machte ihr die Unternehmensberatung keinen Spaß mehr. „Ich habe gekündigt und bin ganz bei ‚Broadview‘ eingestiegen.“ Zu der Zeit habe die Firma, die inzwischen sehr erfolgreich ist und vielfach ausgezeichnet wurde, vor allem für die Redaktion Zeitgeschichte des ZDF gearbeitet und Dokus über die NS-Zeit gemacht. „Das war spannend, hat mich inhaltlich manchmal aber auch ganz schön belastet“ erzählt sie. Und dann kam eine Anfrage, ob die Produktionsfirma einen Film über Königin Silvia von Schweden machen könnte. „Die Männer haben sich alle weggeduckt – da habe ich es gemacht.“

Der Film war erfolgreich – und es kamen Folgeaufträge. Erst „alles über das schwedische Königshaus“, sagt Melchior, dann kam Spanien an die Reihe. „Das lag mir, weil ich eine Weile in Madrid gelebt habe und gut Spanisch spreche.“ Und dann der Rest von Europa – zuletzt wurde Julia Melchior bekannt, weil sie über Stunden die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle live kommentierte.

Keine Regenbogenpresse

„Ich finde diese Arbeit so toll, weil sie so vielseitig ist“, sagt Melchior. „Sie ist international, verbindet Politik und Geschichte und zeigt Familienschicksale.“ Wichtig sei ihr die Ernsthaftigkeit ihrer Filme. „Wir machen hier kein Boulevard und keine Regenbogenpresse.“ Skandale und Skandälchen kommen allenfalls am Rande vor.

Das zeigt sich auch in der dreiteiligen Reihe „Beruf: Königin“, zu der Julia Melchior die Filme über Letizia von Spanien und Mathilde von Belgien beigesteuert hat. Immer wieder hat sie die beiden begleitet: bei Reisen im In- und Ausland, im Palast. Sie erzählt davon, wie sich die beiden Königinnen in Projekten für Bildung, Gesundheit, Kultur und Sozialem engagieren, eigene Projekte, die sie ganz gezielt vorantreiben.

Und Melchior hat mit Journalistenkollegen, Experten, Wegbegleitern, sogar, im Falle von Letizia, mit einer Freundin gesprochen. „Ein Interview mit Letizia war nicht möglich“, sagt sie. Seit der Bekanntgabe ihrer Verlobung im Jahr 2003 habe die damals sehr bekannte Fernsehjournalistin keine Einzelinterviews gegeben. Was nicht heißt, dass sie pressescheu ist. „Bei ihr war ich wirklich sehr nah dran“, sagt Melchior. „Ich nenne sie ‚Majestät‘, sie sagt Julia zu mir.“

Die heutigen Königinnen, sagt Julia Melchior, seien anders als die Generation zuvor. „Sie sind berufstätige Frauen und Mütter. Deshalb können sich viele junge Frauen auch so gut mit ihnen identifizieren.“ So versuche etwa Letizia, ihre beruflichen Termine so zu legen, dass sie Zeit für ihre Töchter hat, wenn die nachmittags aus der Schule kommen. „Die Mütter müssen viel auffangen; es ist ja auch für die Kinder ein Spagat, einerseits in der Öffentlichkeit zu stehen und andererseits eine normale Kindheit zu haben.“ Perfektes Benehmen wird da einfach vorausgesetzt. „Ich bewundere, was die Mütter da leisten, gerade, weil ich selber ein Kind habe und weiß, dass nicht immer alles perfekt läuft.“

Königinnen zahlen einen hohen Preis

Perfektion wird aber noch mehr von den Königinnen selbst erwartet. Jede Bewegung, jede Mimik, jedes Wort wird diskutiert und kommentiert – zumal in Zeiten des Internets. „Die Königinnen haben viele Privilegien“, sagt Julia Melchior. „Aber sie zahlen auch einen hohen Preis.“ Umso dankbarer ist die Journalistin, dass sie so nah dran sein durfte an Letizia und Mathilde. Und entwickelte schon deshalb ein Gespür dafür, „wenn es auch mal Zeit ist, die Kamera auszumachen.“

Beruf: Königin! Teil 1: Letizia von Spanien. Am Samstag, 24. August 2019, 19:25 Uhr im ZDF. Teil 2 und 3 (Mathilde von Belgien und Maxima der Niederlande) an den folgenden Samstagen: 31.8. und 7.9.