Aufarbeitung des Bluterskandals „Unter der Haut“: Exzellentes Drehbuch, tolle Darsteller

Von Hendrik Steinkuhl | 02.12.2015, 08:55 Uhr

 Was für ein Film! Die Aufarbeitung des Bluterskandals mit dem Titel „Unter der Haut“, am 2. Dezember um 20.15 Uhr in der ARD, hat alles, was man sich von einem Fernsehfilm wünschen kann - nicht zuletzt einen überragenden Hauptdarsteller. 

Wenn das Deutsche Fernsehen historische Themen verfilmt, geht das meistens in die Hose. „Unter der Haut“ ist eine der wenigen Ausnahmen von der Regel und sollte für Autoren und Regisseure als Anschauungsmaterial dienen. So geht Fiktionalisierung von Zeitgeschichte!

In der NDR-Produktion geht es um den Bluterskandal der 80er-Jahre. Tausende, die an Hämophilie (der sogenannten Bluterkrankheit) litten, infizierten sich mit HIV, weil ihnen Gerinnungsfaktoren verabreicht wurden, die mit dem Virus verunreinigt waren. 

Das Autorenpaar Eva Zahn und Volker A. Zahn hat für „Unter der Haut“ den selbst an Hämophilie erkrankten Pressereferenten Martin Siedler erfunden, dessen Pharma-Unternehmen wissentlich die verseuchten Gerinnungsmittel vertreibt. Siedler kommt den Machenschaften auf die Spur – und entdeckt an sich Symptome, die mit AIDS in Verbindung gebracht werden. 

Der 34-jährige Friedrich Mücke spielt den Protagonisten überragend, jeder Satz, jede Geste sitzt. Das Drehbuch ist exzellent, das Leid der Betroffenen genauso wie die Profitgier der Pharma-Industrie werden schmerzhaft deutlich.

Dass der Film darauf verzichtet, die Darsteller in typische 80er-Mode zu kleiden, ist ein weiteres großes Plus. Es wird die Vergangenheit gezeigt, so viel ist ist klar - aber welche, das spielt eigentlich keine Rolle.