Arte, Mo., 10. 7., 22.25 Uhr „Dohee – Weglaufen kann jeder“

Von Tobias Sunderdiek | 09.07.2017, 15:43 Uhr

Mit „Dohee – Weglaufen kann jeder“ zeigt Arte das zum Teil erschütternde Porträt einer engagierten Polizeibeamtin in Südkorea, die in einem Dorf aneckt.

Eigentlich ist das Küstenstädtchen, in das die Polizistin Young-nam aus Seoul versetzt wird, recht idyllisch. Eigentlich! Denn die Landschaft ist schön, im Dorf kennt jeder jeden, und Morde gibt es auch nicht. Doch, so muss die junge Frau bald feststellen, es geschehen andere, schlimme Verbrechen. So wird die Schülerin Dohee regelmäßig geschlagen: von den Schulkameraden, aber schwerer noch fast täglich vom alkoholkranken Vater und der zänkischen Großmutter. Young-nam nimmt sich des Mädchens an, kümmert sich auch privat um sie. Und ahnt nicht, wie sehr ihr das noch schaden wird.

Es sind Geschichten aus der Provinz wie diese, die zeigen, wie hinter der Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit Verbrechen, aber auch Missgunst und Vorurteile entstehen können. Geschickt entfaltet die Südkoreanerin July Jung im von ihr selbst geschriebenen Spielfilmdebüt von 2014 stets immer neue Details aus der Leben der zunächst verschlossen wirkenden Polizistin. Ein dramaturgischer Kniff, der wirkt: Die Porträtierte steht so auch für das Schicksal von Außenseitern der Gesellschaft. Der in Cannes gefeierte und mehrfach ausgezeichnete Film läuft innerhalb des Arte-Schwerpunkts „Auf nach Asien!“