Anders Schon gesehen: Tatort - Borowski und die Frau am Fenster

Von Joachim Schmitz | 30.09.2011, 13:45 Uhr

So hat schon lange kein „Tatort“ mehr begonnen. 13 Minuten lang passiert nach normalen Krimimaßstäben nichts – es gibt keinen Mord, und auch Kommissar Borowski (Axel Milberg) ist noch nicht aufgetreten, obwohl doch er und vor allem seine neue, von Sibel Kekilli dargestellte Assistentin Sarah Brandt mit Spannung erwartet werden.

Aber diese 13 Minuten sind besser als so mancher „Tatort“ in seiner vollen Länge. Eine mysteriöse Tierärztin (faszinierend düster: Sibylle Canonica) stellt einem nebenan wohnenden Streifenpolizisten nach, beäugt eifersüchtig dessen russische Geliebte – und begeht eine unfassbare Tat. Das Publikum kennt die Mörderin lange vor den Ermittlern, eine immer wieder reizvolle Konstellation, die in diesem Fall mit starken Bildern und Dialogen nahezu perfekt umgesetzt wird.

Ausgerechnet Kekilli sorgt für einen kleinen Bruch: Als sich Sarah Brandt bei Borowski bewirbt, kommt sie für einen Moment als überzeichnete Miss Supercool rüber. Doch diese Schwäche ist kaum der Rede wert. Dieser Film gehört zu den besten „Tatort“-Folgen des Jahres. Brillante Darsteller, ein gutes Buch und eine feinfühlige Regie verbinden Spannung mit sehr speziellem Humor.

Wertung: 6 Sterne