9.2., 20.15 Uhr, Pro Sieben TV total Prunksitzung: Stefan Raab will die Kalenderfröhlichkeit entstauben

Von Cornelia Wystrichowski | 08.02.2013, 19:00 Uhr

Raus aus der Schunkelecke: Stefan Raab knöpft sich nach dem Eurovision Song Contest und den Polittalkshows jetzt die nächste ehrwürdige Fernsehbastion vor – den TV-Karneval.

Mit einer neuen Show will der 46-jährige Metzgersohn aus der Jeckenhochburg Köln das närrische Treiben, das bei vielen jüngeren Zuschauern als öder Mix aus Altherrenhumor und Schunkelliedern gilt, zu einer coolen Angelegenheit machen. „Die große TV total Prunksitzung“ ist als Crossover aus konfettibuntem Fasching und gängiger TV-Comedy angelegt: Dank namhafter Gäste wie Bastian Pastewka, Anke Engelke und Helge Schneider dürfte sichergestellt sein, dass auch Karnevalsverweigerer genug zu lachen haben. Zu den Highlights gehört außerdem ein Auftritt von Sängerin Lena Meyer-Landrut als Funkenmariechen.

Ob Raab das Image der fünften Jahreszeit aber wirklich entstauben und das junge TV-Publikum für den organisierten Frohsinn gewinnen kann? Tatsache ist: Früher hatten die großen Fernsehübertragungen zur Fasnachtszeit viele Millionen Zuschauer und waren echte Straßenfeger. Doch die Quoten sind seit einer Weile im Sinkflug, die Büttenshows gaben in den vergangenen Jahren durch die Bank zahlreiche Zuschauer ab. Vor allem bei den 14- bis 49-Jährigen sank der Marktanteil zum Teil dramatisch. Die ZDF-Show „Karneval Hoch Drei“ etwa verfolgten am Dienstagabend gerade einmal 3,5 Prozent des Publikums unter 50. Gelacht wird, wenn der Tusch kommt – das ist für viele Zuschauer offenbar Unterhaltung von gestern.

Wenn jemandem eine Wiederbelebung des Fernsehfaschings gelingen kann, dann wohl Stefan Raab, der seit Jahren immer wieder neue Showspektakel ersinnt – und das überwiegend mit Erfolg. Raabs beim Unterhaltungssender Pro Sieben angesiedelte Politshow „Absolute Mehrheit“ brachte ihm durchaus Respekt ein, die nächste Ausgabe läuft am 17. Februar. Von Rückschlägen wie dem sinkenden Interesse an seinem „TV total Quizboxen“ lässt sich der immer unter Volldampf stehende Scherzprofi nicht beirren.

Wer Raab aus seinen diversen TV-Spektakeln kennt, dem ist auch eines klar: Seine dreistündige Prunksitzung ist keine Persiflage auf den klassischen Karneval, keine fiese Abrechnung mit herkömmlicher Büttenfröhlichkeit, sondern der ernsthafte Versuch einer Modernisierung.

Wie sehr dem Kölner Spaßmacher das Thema Karneval am Herzen liegt, zeigte unlängst auch sein Auftritt in einer WDR-Doku, in der Raab dem kölschen Narren-Urgestein Hans Süper vom „Colonia Duett“ huldigte. Zudem nahm der Moderator gemeinsam mit der Kölner Kultband „Höhner“ die Schunkelhymne „Ävver et Hätz bliev he in Kölle“ („Aber das Herz bleibt hier in Köln“) auf – die geben Raab und „Höhner“ auch in der Narrengala zum Besten.

In der Mammutshow am Fasnachtssamstag setzt sich Raab die Narrenkappe auf und führt als selbst ernannter Sitzungspräsident seines Elferrats durch die Gala. In dem honorigen Gremium sitzen unter anderem die Schrottplatz-Brüder Ludolf, Reiner Calmund und mit der Komikerin Carolin Kebekus auch eine Expertin für alternativen Karneval („Stunksitzung“). Matze Knop schlüpft wieder in seine Leib-und-Magen-Rolle als Lothar Matthäus, der Parodist Martin Klempnow spielt wie in „Switch reloaded“ den deutschen Proll-Millionär Robert Geiss, und das schräge Volksmusikduo „Wolfgang & Anneliese“, verkörpert von den beiden Starcomedians Bastian Pastekwa und Anke Engelke, singt das Hohelied auf den „Karneval in Bayern“ – ausgerechnet.

Die aufwendige ausgestattete und prominent besetzte Prunksitzung wurde bereits vor einigen Tagen aufgezeichnet. Dem Vernehmen nach soll Raab dabei als Witzeerzähler und Reimredner eine gute Figur gemacht haben: Seine Büttenrede war demnach mit eingeblendeten Kurzzitaten von Angela Merkel bis Jogi Löw angereichert, wie man es aus seiner Show „TV total“ kennt.

Kölscher Fastelovend trifft auf poppige Unterhaltung aus der Raab’schen Gute-Laune-Maschine – nach der Aufzeichnung des Spektakels waren sich die Beteiligten weitgehend einig, dass die Premiere gelungen ist. Bei der Frage, ob es kommendes Jahr eine Neuauflage gibt, werden aber mit Gewissheit die Einschaltquoten das letzte Wort haben.