Zwölfjähriger plante Attentate Polizeigewerkschaft warnt vor neuer Skrupellosigkeit des IS

Von Marion Trimborn | 17.12.2016, 06:05 Uhr

Die Anschlagspläne eines gerade mal 12 Jahre alten Jungen in Ludwigshafen alarmieren die Sicherheitsbehörden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sieht in der Rekrutierung von Kindern eine neue Dimension der Skrupellosigkeit des Islamischen Staates.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Malchow: „Dass die Terrormiliz IS Kinder rekrutiert, ist erschreckend, aber nicht überraschend.“ Er fügte hinzu: „Dem IS ist es völlig egal, wen er in den Tod schickt. Seiner Propagandamaschine dürften weniger ältere lebenserfahrene Menschen auf den Leim gehen, sondern insbesondere junge Orientierungssuchende.“ Nach Einschätzung des Gewerkschaftsvorsitzenden geht es dem IS „nicht nur um Männer, sondern auch um Kinder und Jugendliche, die für diese Propaganda besonders empfänglich sind.“

Neue Aufgaben für Sicherheitsbehörden

Für die Fahnder stelle sich das Problem, junge radikalisierte Täter zu erkennen. Der Gewerkschaftschef sagte :„Bei solch einem Jungen ist das ganz schwierig: Der sitzt in seinem Kinderzimmer vor dem Rechner und hat Kontakt mit den Islamlisten.“ Deshalb müsse die Suche nach potenziellen Tätern im Internet intensiviert werden: Der GdP-Vorsitzende wies darauf hin, dass auch Kinder bei entsprechender Gefährlichkeit in geschlossenen Jugendeinrichtungen untergebracht und damit aus dem Verkehr gezogen werden können.

Terrorgefahr bleibt hoch

Nach Ansicht des Gewerkschaftschefs ist die Gefährdungslage in Deutschland weiter „konkret und hoch“. Malchow betonte: „Wir wissen spätestens seit den Anschlägen in Frankreich, dass auch Deutschland im Fadenkreuz der Terroristen ist. Der jüngste Fall ist ein weiterer Beleg dafür.“ Bisher hätten die deutschen Sicherheitsbehörden aufgrund eines hohen Fahndungs- und Verfolgungsdrucks größere Anschläge verhindern können.

Junge wollte Bomben zünden

In Ludwigshafen steht ein zwölfjähriger Junge unter Verdacht , einen Bombenanschlag auf den Weihnachtsmarkt geplant zu haben. Die Bundesanwaltschaft hatte Ermittlungen wegen des Bombenfundes bestätigt, aber zunächst keine näheren Angaben gemacht. Das Magazin „Focus“ berichtete, nach Erkenntnissen der Ermittler sei der Junge stark religiös radikalisiert und könnte von einem unbekannten Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat angestiftet oder angeleitet worden sein. Der strafunmündige Zwölfjährige soll laut Magazin am 26. November versucht haben, den Sprengsatz auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen zu zünden, was aber nicht klappte. Am 5. Dezember habe der Junge den in einem Rucksack versteckten Sprengsatz - ein mit Sprengpulver gefülltes Konservenglas - dann in einem Gebüsch nahe dem Rathaus deponiert.

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