Rechte Szene in Corona-Zeiten Naziaufmärsche auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren

Von Marion Trimborn | 21.02.2022, 01:00 Uhr

In Corona-Zeiten dominieren die Querdenker-Proteste die Straßen. Viele Mitglieder der extremen Rechten haben sich dem angeschlossen. Die Zahl der Naziaufmärsche ist daher auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Die Zahlen täuschen aber über den wahren Zustand der Szene hinweg, meint die Linken-Fraktion.

Die Zahl der Naziaufmärsche ist in Corona-Zeiten auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. 2021 nahmen insgesamt nur noch rund 7 700 Teilnehmer an 91 Aufmärschen der extremen Rechten teil. Damit hat sich die Teilnehmerzahl gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert, die Zahl der Aufmärsche ging um 44 Prozent zurück. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Auch schon vor der Corona-Krise war der Trend seit Jahren rückläufig. Die höchste Zahl an rechten Aufmärschen wurde im Jahr der Flüchtlingskrise 2015 mit 590 erreicht. Zum Vergleich: 2010 waren es erst 85 gewesen.

Linken-Fraktion: Zahlen täuschen über die Lage

Die Linken-Abgeordnete Petra Pau sieht in dem Rückgang der Zahlen einen Beleg dafür, dass die Naziszene in der Corona-Pandemie Mobilisierungsprobleme hat. Aber, so Pau, „die Zahlen der Bundesregierung täuschen über die wahre Mobilisierungsfähigkeit der Szene.“ Woche für Woche seien Neonazis, Reichsbürger und andere Gruppen der extremen Rechten Teil der massiven Straßenproteste gegen die Corona-Maßnahmen (Querdenker). Pau sagte, die Naziszene dominiere diese Proteste zwar nicht zahlenmäßig, sorge aber für eine Zunahme der Gewaltbereitschaft gegen Journalisten, gegen die Polizei und auch Politiker.

Die Linken-Politikerin forderte: „Von der neuen Innenministerin erwarte ich, dass sie diese Vermischung von Naziszene und bürgerlichem Protest stärker in den Blick nimmt.“

Deutlich weniger Rechts-Rock-Konzerte

Auch die Rechts-Rock-Szene liegt wegen der Corona-Auflagen Im zweiten Jahr in Folge am Boden. Die Behörden registrierten im vergangenen Jahr nur 135 Konzerte mit 6.770 Besuchern, wie aus der Antwort des Innenministeriums hervorgeht. Das waren genauso viele wie im Jahr davor (ebenfalls 135 Konzerte mit knapp 6200 Besuchern). Zum Vergleich: 2019 waren es noch 374 Veranstaltungen mit rund 22 500 Besuchern gewesen.

„Dennoch“, so Petra Pau, „spielen Konzerte und CD-Verkäufe eine wichtige Rolle für die Finanzierung der Naziszene.“ Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) habe angekündigt, die Finanzströme der Szene austrocknen zu wollen. Pau sagte: „Ich begrüße das und hoffe, dass Bund und Länder gemeinsam Maßnahmen ergreifen, mit denen die Nazikonzerte auch nach Corona auf möglichst kleinem Niveau bleiben und am besten ganz verhindert werden.“

Noch keine Kommentare