Wichtiges Signal Ausstellung Warschauer Aufstand: Narben der Vergangenheit

Meinung – Maik Nolte | 29.07.2014, 15:35 Uhr

Das erst vor zehn Jahren eröffnete Museum des Warschauer Aufstands zeigt eine Ausstellung zum 70. Jahrestag der blutig niedergeschlagenen Revolte in der polnischen Hauptstadt im Jahr 1944. Die Sonderschau wird aber nicht dort eröffnet, sondern in Berlin. Ein starkes, wichtiges Signal für die nachbarschaftlichen Beziehungen.

Die Bedeutung des Aufstands von 1944 für das Selbstverständnis Polens ist kaum zu überschätzen. Der verzweifelte Kampf der polnischen Heimatarmee richtete sich nicht allein gegen die brutale Unterdrückung durch die Deutschen – es ging auch darum, das NS-Joch aus eigener Kraft abzuschütteln, bevor die anrückende Rote Armee dies tut und das tief geschundene Land zum Satelliten der Sowjetunion degradiert. Dass es letztlich genau so kam, verstärkt die Rolle eher noch, die der so blutig niedergeschlagene Aufstand als Gründungsbaustein einer neuen polnischen Demokratie spielt – auch wenn bis zu ihrer Wiedererrichtung Jahrzehnte vergehen sollten.

Dass die Ausstellung zum 70. Jahrestag des Aufstands in Berlin eröffnet wird, in der Gedenkstätte „Topografie des Terrors“, der damaligen Schaltzentrale der Nazi-Herrschaft, ist ein starkes Zeichen. „Überfällig“ nennt Bundespräsident Joachim Gauck die Schau. Recht hat er! Im deutschen Geschichtsbewusstsein führt das Warschauer Blutbad ein Schattendasein, überlagert von zahllosen anderen Grausamkeiten der NS-Zeit.

Sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen, gerade aus polnischer Perspektive, ist aber von enormer Bedeutung für das Verständnis des Nachbarn. Polen hat bis heute gute Gründe, politische Entwicklungen in Berlin und Moskau mit Argusaugen zu betrachten. Historische Wunden vernarben vielleicht; Narben bleiben aber sichtbar – und manchmal können sie aufplatzen. Trägt die Schau dazu bei, diese Gefahr zu verringern, ist viel gewonnen.