Von Demokraten und Terroristen Vorbild in Nordafrika: Tunesien darf nicht scheitern

14.02.2017, 18:53 Uhr

Schwieriger Besuch für Tunesiens Ministerpräsident in Berlin: Vor Weihnachten tötete ein Landsmann hier zwölf Menschen. Die Kanzlerin kündigt Härte bei Abschiebungen an - reicht aber auch die Hand. Das hat einen guten Grund.

Angela Merkel hat sich v iel Zeit für den tunesischen Premier Youssef Chahed genommen. Das war gut so, denn in der Zusammenarbeit mit Tunesien geht es um weit mehr als den Fall des Attentäters Anis Amri und eine eher überschaubare Zahl von Abschiebungen.

Solche Fragen müssen natürlich besser geregelt werden. Und es ist gut, dass beide Staaten künftig enger zusammenarbeiten wollen. Darüber hinaus erfüllt Tunesien aber noch eine weit wichtigere Funktion: als Vorbild in Nordafrika und Arabien. Das Land ist nicht nur die Wiege des „Arabischen Frühlings“, in dem Millionen gegen diktatorische Regime aufbegehrten. Es ist auch der einzige Staat, der nach diesen Umbrüchen eine Demokratie nach westlichem Vorbild errichten konnte. Darauf lässt sich aufbauen.

Zwar ist auch Tunesien kein Musterschüler, wie Amnesty International gerade aufgezeigt hat. Und doch sind die Tunesier große Hoffnungsträger, wenn man die Verhältnisse in ihrem Land etwa mit denen in Libyen vergleicht. Wenn es irgendwo in Nordafrika gelingt, den Menschen neue Perspektiven zu geben und so Fluchtursachen zu vermeiden, dann in Staaten wie Tunesien. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung brauchen Ordnung und Teilhabe. Tunesien ist der Beleg dafür, dass dies auch im arabischen Raum gelingen kann. Es darf nicht scheitern.