Verbote bringen nur wenig Die Doppelmoral im Kampf gegen Drogen

Meinung – Christian Lang, Christian Lang | 09.06.2016, 16:05 Uhr

Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hat am Donnerstag den aktuellen Drogen- und Suchtbericht vorgestellt. Die Zahl der Süchtigen ist weiterhin sehr hoch. Verbote und Aufklärungskampagnen bringen nur wenig. Ein Kommentar.

Die Zahlen sind erschreckend: Vier Millionen Deutsche sind süchtig nach harten Drogen, Alkohol oder Medikamenten. Im vergangenen Jahr starben fast 200 Bundesbürger mehr am Konsum illegaler Rauschmittel als im Jahr zuvor. Von einer wirkungsvollen Drogenpolitik kann angesichts dieser Zahlen nicht gesprochen werden. Und das, obwohl die Regierung jedes Jahr Millionen in die Suchtprävention steckt. Experten warnen seit Langem, dass die Wirksamkeit von Aufklärungskampagnen maßlos überschätzt werde.

Einfache Lösungen gibt es nicht. Drogenkonsum ist ein gesamtgesellschaftliches Problem mit vielen Facetten. Und eine Abhängigkeit ist nichts, was sich mit Verboten oder – wie bei Tabak – mit höheren Steuern eindämmen ließe. Cannabis, Heroin, Kokain: alles Stoffe, die zwar illegal sind, deren Konsumentenzahl aber seit Jahren ansteigt.

Gleichzeitig legt der Gesetzgeber in dieser Beziehung eine Doppelmoral an den Tag. Die beiden Drogen, die die höchsten Kosten im Gesundheitbereich verursachen, sind nicht kriminalisiert: Alkohol und Tabak.

Was sollte die Politik also machen, wenn Verbote und Aufklärungskampagnen nur wenig bewirken? Letzlich kann sie nur die tiefer liegenden Ursachen des Konsums bekämpfen. Fehlende Perspektiven, Langeweile, persönliches Leid: Nicht selten sind dies die Gründe dafür, warum Jugendliche regelmäßig zu Alkohol, Tabak oder Haschisch greifen. Der Staat kann zwar nicht alle Probleme lösen, aber an vielen Stellen unterstützen.