Kommentar Mit Nettigkeit werden die US-Demokraten Präsident Trump nicht beerben

Meinung – Thomas Ludwig | 27.06.2019, 19:22 Uhr

"Langweilig“ – so kommentierte US-Präsident Donald Trump das erste TV-Aufeinandertreffen möglicher demokratischer Präsidentschaftskandidaten. Ein Großteil der Amerikaner sieht das anders, ist 17 Monate vor dem Votum elektrisiert. Denn die Präsidentschaftswahl wird zu einer Richtungsentscheidung.

Trumps Regierungsstil hat das Selbstverständnis der USA erschüttert und die Normen der Politik in Frage gestellt. Die USA sind zu einer geteilten Nation geworden. Infolge der Gegensätze ist mit einem brutalen Wahlkampf zu rechnen, persönliche Diffamierungen eingeschlossen. Es ist also gut, dass präsidentschaftswillige Demokraten nun einen harten Auswahlprozess durchlaufen müssen.

Wenn einer von ihnen ins Weiße Haus soll, braucht die Partei einen Kandidaten, der die Klaviatur populistischer Vereinfachung ebenso bedienen kann wie die Ansprüche linksliberaler Intellektueller. Er muss rumpeln können wie Trump – und doch die Versachlichung politisch kontroverser Themen beherrschen. Mit Nettigkeit ist Trump nicht beizukommen.

Die Zwischenwahlen haben gezeigt, dass mit den Demokraten zu rechnen ist; sie konnten mit Themen, die nah am Leben der Bürger sind, das Repräsentantenhaus zurückerobern. Eine Erfolgsgarantie für die Präsidentschaftswahlen ist das noch nicht. Trump dürfte aber gewarnt sein.

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