Ungleichheiten in US-Gesellschaft Hillary Clinton braucht Authentizität – und die Frauen

Meinung – Christian Lang, Christian Lang | 08.06.2016, 14:26 Uhr

Um Donald Trump im Kampf um die US-Präsidentschaft auszustechen, muss Hillary Clinton bei den weiblichen Wählern punkten. In diesem Bereich hat sie aber noch Nachholbedarf. Ein Kommentar.

Deutschland, Norwegen, Polen: Viele Länder haben bereits Erfahrungen mit Frauen als Regierungschefin gesammelt. Die USA fehlen bisher in dieser Reihe. Auf den ersten Blick mag das überraschen, bedenkt man, dass die Vereinigten Staaten wie kaum eine andere Nation mit dem Image kokettieren, eine der freiesten Gesellschaften in der Welt zu sein. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Die Realität sieht für Frauen anders aus. Nur wenige Führungspositionen werden von Frauen besetzt, noch immer klaffen erhebliche Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern. Im letztjährigen Gleichstellungsbericht des World Economic Forums belegten die Vereinigten Staaten weltweit nur den 28. Platz.

Diese Ungleichheiten könnten Clintons Chance sein. Sie ist eine Frau und könnte daher Integrationsfigur für Millionen von Wählerinnen sein. Das ist ihr auch bewusst: In ihrem Wahlkampf umwirbt sie gezielt die Frauen. Der Erfolg ist bislang aber überschaubar. In mehreren Bundesstaaten haben mehr Frauen für ihren demokratischen Konkurrenten Bernie Sanders gestimmt als für Clinton.

Hinzu kommt: Fast die Hälfte der Bürger in den USA ist nach wie vor davon überzeugt, dass die Demokratin unehrlich ist und sich nicht um die Sorgen der Wähler kümmert. Sie braucht Authentizität, um gegen Trump zu gewinnen. Und sie braucht die Frauen. Doch dafür muss sie ihnen mehr als bisher den Eindruck vermitteln, ihre Nachteile beseitigen zu können. Ihr Geschlecht als solches wird dafür nicht ausreichen.