Terrorziel Nordrhein-Westfalen Was weiß man über den möglichen IS-Anschlag in Düsseldorf?

Von dpa | 03.06.2016, 21:36 Uhr

Terrorziel Nordrhein-Westfalen: Neu ist die Gefahr nicht. Doch jetzt gibt es den Verdacht, IS-Terroristen könnten als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland geschickt worden sein.

Was ist über die Verdächtigen und ihre Pläne bekannt?

Nach Angaben des Generalbundesanwalts haben zwei der vier Verdächtigen von der Führungsebene der Terrororganisation Islamischer Staat in Syrien den Auftrag erhalten, in der Düsseldorfer Altstadt einen Anschlag zu begehen. Sie seien im Mai 2014 von Syrien in die Türkei gereist und von dort später über Griechenland weiter nach Deutschland. Saleh A. war seit dem 26. März 2015 in einem Flüchtlingsheim im niederrheinischen Kaarst gemeldet. Nach Angaben der Stadt dürfte er aber nicht ununterbrochen dort gewohnt haben.

Am 1. Februar 2016 offenbarte er sich in Frankreich den Behörden. Auch der in Mülheim festgenommene Mahood B. und die beiden anderen Syrer sollen in Flüchtlingsunterkünften gelebt haben. Konkrete Vorbereitungen gab es nach Erkenntnissen der Ermittler noch nicht. (Weiterlesen: Angeblich bis zu zehn Attentäter geplant)

Welche Anschlagsplanungen sind in NRW bisher aufgedeckt worden?

NRW ist schon mehrfach Ziel von Anschlagsplanungen und Anschlagsversuchen gewesen. Im Juli 2006 platzierten Islamisten in Köln Koffer mit Sprengsätzen in Regionalzügen. Die Zeitzünder-Bomben explodierten aber nicht, weil sie falsch konstruiert waren. Die islamistische „Sauerland-Gruppe“ wurde im September 2007 gefasst, die „Düsseldorfer Zelle“ flog 2011 auf. Im Dezember 2012 soll ein Mann aus der Islamisten-Szene einen Sprengsatz im Bonner Hauptbahnhof deponiert haben, der nicht explodierte. Im April 2016 wurde ein Sikh-Gebetshaus in Essen Ziel einer Sprengstoffattacke, drei Menschen wurden verletzt.

Unterscheidet sich der aktuelle Fall von den früheren ?

Viele der bislang in NRW verurteilten Terroristen lebten zumeist schon lange in Deutschland oder sind hier geboren. Einige sind zum Islam konvertiert wie etwa der Kopf der „Sauerland-Gruppe“ oder der wegen des versuchten Bombenanschlags am Bonner Hauptbahnhof angeklagte Marco G. Dagegen sollen nun zumindest zwei der wegen der Düsseldorfer Anschlagspläne verdächtigen Männer gezielt für einen Terrorakt nach Deutschland geschickt worden sein. Für Schlussfolgerungen sei es aber zu früh, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Ist die Terrorgefahr in Nordrhein-Westfalen besonders hoch?

„Deutschland und Nordrhein-Westfalen stehen im Fokus des internationalen Terrorismus„, sagt NRW-Innenminister Ralf Jäger. Auf die Frage, ob Nordrhein-Westfalen besonders gefährdet sei, wird im Düsseldorfer Innenministerium auch auf Anschlagsdrohungen in anderen Bundesländern verwiesen. In München hatten die Behörden in der Silvesternacht wegen einer Anschlagsdrohung den Hauptbahnhof gesperrt. In Hannover war ein Länderspiel aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. In beiden Fällen gab es keine Festnahmen.

Wem trauen die Sicherheitsbehörden einen Anschlag zu?

Etwa 1100 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind fast 500 sogenannte Gefährder - also Menschen, denen die Polizei grundsätzlich zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. In Nordrhein-Westfalen sind das nach Einschätzung des Verfassungsschutzes etwa 200. Mit Haftbefehl werden aus dem islamistischen Spektrum in NRW 21 Personen wegen Terrorismusverdachts gesucht.