Täter bekennt sich zum IS Hollande bezeichnet Doppelmord in Frankreich als Terrorakt

Von dpa | 14.06.2016, 08:46 Uhr

Der in der Nacht zum Dienstag in Frankreich erschossene mutmaßliche Polizistenmörder war nach französischen Medienberichten wegen Terrorismus vorbestraft.

Es handele sich um einen 25-jährigen Franzosen, der 2013 zu drei Jahren Haft verurteilt worden sei, berichteten die Zeitung „Le Monde“ und der Sender Europe 1 übereinstimmend. Sechs Monate der Strafe seien zur Bewährung ausgesetzt worden.

In dem Prozess ging es demnach um ein Netzwerk, das Dschihadisten in das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet brachte. Der Mann sei wegen „krimineller Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten“ schuldig gesprochen worden, so „Le Monde“ unter Berufung auf Justizkreise.

Eine offizielle Bestätigung für diese Informationen gab es zunächst nicht. Der Angreifer hatte am Dienstagabend nach Darstellung der Behörden einen 42 Jahre alten Polizisten vor dessen Haus erstochen und sich dann im Gebäude verschanzt. Als Spezialkräfte der Polizei das Haus stürmten und den Mann erschossen, fanden sie die Leiche der Lebensgefährtin des Polizisten. Der dreijährige Sohn des Paares überlebte. Der Angreifer hatte sich zuvor zur Terrororganisation Islamischer Staat bekannt.

Hollande: „Zweifellos ein Terrorakt“

Der Doppelmord ist nach Worten von Frankreichs Präsident Hollande „zweiffellos ein Terrorakt“. Das Paar sei „feige von einem Terroristen ermordet worden“, sagte Hollande am Dienstag in Paris. „Frankreich steht einer sehr großen terroristischen Bedrohung gegenüber.“ Das gelte aber nicht nur für Frankreich, sagte er unter Verweis auf die Gewalttat von Orlando.

Die Attacke genau sieben Monate nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November fällt mit der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich zusammen, die aus Furcht vor Anschlägen von Zehntausenden Polizisten geschützt wird.

Ruhiges Viertel

„In diesem Moment ist der Schmerz unermesslich“, sagte der Präfekt des Départements Yvelines, Serge Morvan. Eine Anwohnerin bezeichnete das Viertel, in dem sich die Tat ereignete, vor französischen Journalisten als ruhig: „Hier passiert nie etwas.“

Frankreich war im vergangenen Jahr mehrfach Ziel islamistischer Terroranschläge, denen insgesamt 149 Menschen zum Opfer fielen. Die schwerste Anschlagserie ereignete sich am 13. November, als IS-Terroristen mit Sturmgewehren und Sprengstoffgürteln im Pariser Musikclub „Bataclan“, am Stade de France sowie in Bars und Restaurants der Hauptstadt 130 Menschen ermordeten.

Warnungen vor hoher Terrorgefahr

Im Vorfeld der laufenden Fußball-EM hatten Behörden immer wieder auf eine anhaltend hohe Terrorgefahr in Frankreich hingewiesen. Nach übereinstimmenden Angaben gab es aber keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne gegen das Turnier.

Nach dem jüngsten Massaker in einem vor allem von Homosexuellen besuchten Club in der US-Großstadt Orlando hatte die IS-nahe Agentur „Amaq“ ebenfalls behauptet, der Täter gehöre zu der Terrororganisation. Auch dort hatte sich der Todesschütze im Kontakt mit der Polizei zu islamistischen Terrororganisationen bekannt, allerdings passen seine verschiedenen Äußerungen nach Angaben der US-Bundespolizei FBI dem ersten Anschein nach nicht zusammen.