Syrische Metropole Aleppo vor dem Fall Barack Obama, der geschlagene Moralist

Meinung – Michael Clasen | 07.12.2016, 20:37 Uhr

300000 Tote, Millionen Flüchtlinge: Seit mehr als fünf Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Jetzt fordern die USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada einen sofortigen Waffenstillstand. Warum diese leeren Phrasen bitter sind: ein Kommentar.

Sind die Worte das Papier wert, auf dem sie stehen? Die USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien sowie Kanada fordern einen Waffenstillstand in Aleppo. Außerdem solle der UN-Generalsekretär dafür sorgen, dass alle syrischen Kriegsverbrecher bestraft würden. Dieser Appell mag gut gemeint sein. Er hilft jedoch bestenfalls den Verfassern, den Anschein moralischer Unschuld zu wahren, nicht aber den eingekesselten Zivilisten in der Rebellenhochburg in Ost-Aleppo.

Würde US-Präsident Obama die eingeschlossenen Familien ernsthaft retten wollen, dann müsste er jetzt die Rebellen in Aleppo, die keine demokratischen Freiheitskämpfer sind, sondern überwiegend Extremisten, zur Kapitulation auffordern. Er müsste auf Russlands Präsident Putin und Syriens Diktator Assad zugehen, um den Weg für eine Friedenslösung frei zu machen. Doch was macht Obama? Er droht Assad erneut, obwohl sich dieser längst auf der Siegesstraße befindet.

Zur Erinnerung: Es waren Obama und europäische Regierungen, die über Jahre Rebellen mit Waffen versorgt und sie zu einer Weiterführung des Krieges gegen Assad ermutigt hatten. Jetzt stehen die Verbündeten am Abgrund. Doch Obama mimt den Moralisten. Die Bösen, das sind Putin und der Diktator. Seine Mitverantwortung will der Friedensnobelpreisträger nicht sehen. Und die Niederlage von Aleppo schon gar nicht.