Syrer berichten von acht Toten Türkei bestreitet Schüsse auf Flüchtlinge

Von afp | 19.06.2016, 22:25 Uhr

Türkische Grenzsoldaten haben nach Angaben von Aktivisten am Sonntag mindestens acht syrische Flüchtlinge erschossen, darunter vier Kinder. Die Türkei weist den Vorwurf zurück. Solche Berichte seine falsch, hieß es am Sonntag in einer Erklärung des Außenministeriums.

Acht weitere Menschen seien nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verletzt worden, teilweise schwer. Die Gruppe war demnach vor Gefechten um die nordsyrische Stadt Manbidsch in der Provinz Aleppo auf der Flucht. Die Gruppe gelangte der Beobachtungsstelle zufolge über die nordwestliche Provinz Idlib an die Grenze zur Türkei. Dort hätten türkische Soldaten das Feuer eröffnet. Die in der Syrische Nationalen Koalition zusammengeschlossenen Gegner von Staatschef Baschar al-Assad gaben die Zahl der Todesopfer sogar mit elf an. Das von der Türkei unterstützte Bündnis mit Sitz in Istanbul sprach von einer „fürchterlichen Tragödie“. Die Tötung „schutzloser Syrer“ widerspreche der „Gastfreundschaft der türkischen Regierung und des türkischen Volkes“.

Die türkische Regierung wies die Darstellungen zurück. „Die Angaben, wonach türkische Grenzschützer an der Grenze auf Syrer geschossen haben, enstprechen nicht der Realität“, erklärte das Außenministerium in Ankara. Die Türkei verteidige ihre Grenzen „vor jeglichen illegalen Aktivitäten, darunter Schmuggel und Terrorismus“. Weitere Angaben machte das Außenministerium nicht. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte erschossen türkische Grenzsoldaten seit Jahresbeginn mindestens 60 Menschen, alles Zivilisten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf den Grenzsoldaten in einem im Mai vorgelegten Bericht vor, syrische Flüchtlinge mit tödlicher Waffengewalt an der Einreise in die Türkei zu hindern. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestreitet das, und die türkische Armee beharrt darauf, lediglich auf bewaffnete Schmuggler, nicht auf Zivilisten zu schießen.

Nach UN-Schätzungen wurden in Syrien seit Beginn des Gewaltkonflikts im März 2011 mehr als 280.000 Menschen getötet. Millionen Syrer sind wegen der Gewalt auf der Flucht.