Studie der TU Braunschweig Jeder zehnte Fahrer benutzt sein Handy auf der Autobahn

Von Christian Lang | 13.09.2016, 13:49 Uhr

Die Nutzung des Smartphones ist die größte Ablenkung auf der Autobahn. Jeder zehnte Autofahrer verwendet dort sein Handy. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der TU Braunschweig, die für eine Studie über 2000 Autofahrer auf der A2 beobachtet haben.

Viele Menschen konzentrieren sich beim Autofahren nicht auf die Fahrbahn, sondern lassen sich von anderen Tätigkeiten ablenken. „Gerade bei den häufig langen und monotonen Fahrten auf der Autobahn ist die Versuchung offensichtlich groß, sich ablenken zu lassen“, heißt es in einer Studie der TU Braunschweig. Dabei spiele vor allem das Smartphone eine große Rolle.

Ein Braunschweiger Forscherteam um den Verkehrspsychologen Mark Vollrath hat für die Studie zwischen Februar und März dieses Jahres insgesamt 2000 Autofahrer auf der A2 beobachtet.

Schwerwiegende Folgen

Jeder zehnte Verkehrsteilnehmer habe sein Smartphone während der Fahrt bedient, lautet das Ergebnis der Untersuchung. Die Autofahrer verwendeten ihr Handy dabei nicht nur zum Telefonieren, sondern auch, um Apps zu bedienen und Nachrichten zu verschicken. Die Folgen können schwerwiegend sein, schließlich gefährden Autofahrer damit nicht nur ihre eigene Sicherheit, sondern auch die der anderen Verkehrsteilnehmer. So haben Forscher herausgefunden, dass die Nutzung des Handys am Steuer einem Alkoholgehalt von rund 0,8 Promille entspricht. Auf der Autobahn ist diese Form der Ablenkung besonders gefährlich. „Das Ergebnis ist ein ‚Blindflug‘ von fünfzig bis hundert Metern bei hoher Geschwindigkeit“, betont Mark Vollrath, der Professor für Ingenieurs- und Verkehrspsychologie an der TU Braunschweig ist. Darüber hinaus liege das Handy-Tippen mit 5,8 Prozent an der Spitze der Nebenbeschäftigungen beim Fahren auf der Autobahn, heißt es in der Studie.

Positiver Trend im Straßenverkehr

Nicht nur auf der Autobahn, sondern auch im Stadtverkehr sei die Nutzung der Smartphones ein großes Problem. Dennoch ließen weitere Studien der TU Braunschweig einen positiven Trend im Stadtverkehr erkennen. Ob daraus aber weitere Rückschlüsse gezogen werden können, sei derzeit noch unklar. „Um zu beurteilen, ob es sich bei dem positiven Trend tatsächlich um einen anhaltenden Effekt handelt, sind weitere Beobachtungen geplant“, betonen die Verkehrspsychologen der TU.

Anstieg in Stadt und Landkreis Osnabrück

Auch in Niedersachsen ist das Smartphone ein zunehmender Ablenkungsfaktor während Autofahrten. Vor kurzem hatte unsere Redaktion berichtet, dass die Zahl der Handydelikte am Steuer in den vergangenen Jahren unter anderem in Stadt und Landkreis Osnabrück sowie in Delmenhorst gestiegen ist. Im Landkreis Osnabrück wurden zum Beispiel 2016 bis Anfang August insgesamt 376 Fälle registriert, in denen Autofahrer mit Handy am Steuer erwischt wurden. In den vergangenen Jahren hatte die Zahl für die gesamten zwölf Monate noch bei knapp über 400 gelegen.

In der Stadt Delmenhorst hat es im vergangenen Jahr 411 derartige Verkehrsverstöße von Autofahrern gegeben. In diesem Jahr dürfte die Zahl höher ausfallen. Bis Mitte Juli wurden 282 Fälle registriert. Bestätigt sich dieser Trend, könnte die Zahl am Ende des Jahres bei rund 500 liegen.

 Bundesweit gesehen hat die Zahl in den vergangenen Jahren aber abgenommen. Seit 2011 seien die gemeldeten Verstöße um 18 Prozent von rund 443.000 auf 363.000 pro Jahr zurückgegangen, teilte das Kraftfahrtbundesamt im Juni mit.