Spitzenfrau: Acht Prozent sind drin Die FDP hofft auf Rückenwind in Bremen

Von Beate Tenfelde | 05.05.2015, 20:18 Uhr

Echten Nervenkitzel dürfte die Bürgerschaftswahl in Bremen am 10. Mai nur für Politiker aus der zweiten Reihe bieten. Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) wird einer aktuellen Umfrage zufolge seine rot-grüne Koalition fortsetzen können. Spannend wird es trotzdem: Schaffen es FDP und AfD ins Parlament? Die Liberalen waren 2011 herausgeflogen, die AfD hofft auf Ersteinzug. Beide liegen Kopf an Kopf.

„Zwischen sieben und acht Prozent für die FDP sind drin. Der Zulauf bei den Veranstaltungen ist groß“, sagt Profi-Wahlkämpfer und FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki, der sich in Bremen mächtig ins Zeug legt. Der liberale Altstar schaut schon weiter: „Wenn bei zwei Wahlen in den Stadtstaaten mehr als sieben Prozent herauskommen, ist mit der FDP auch bundesweit zu rechnen.“

Der Kieler Kubicki muss es wissen, er versteht sich aufs Windmachen. Er hat im Frühjahr 2012 die Bastion der Freien Demokraten im Landtag an der Förde mit 8,2 Prozent verteidigt – während die Liberalen bundesweit schon bei drei Prozent dümpelten. Dieses Kunststück gelang wenige Tage später auch Parteichef Christian Lindner mit 8,6 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Dann kam eine böse und lange Flaute – bis im Februar 2015 Katja Suding eine frische Brise entfachte und mit 7,4 Prozent in die Hamburger Bürgerschaft einzog.

Auf Durchzug versteht sich auch Lencke Steiner, die parteilose und selbstbewusste Spitzenkandidatin der FDP Bremen. „Sechs Prozent, also der Trend geht aufwärts“, frohlockt die 29-jährige Unternehmerin mit Blick auf jüngste Umfragen. Kubicki, wegen seines Spotts für die Parteikollegen berüchtigt, ist voll des Lobes: „Sie ist eine Kandidatin, die die Bürgerschaft aufmischen kann.“

Die Jungdynamikerin Steiner gab als Wahlziel acht Prozent aus und begann im März 2015 ihre Kampagne selbstironisch. Auf einem frechen „Aufreger“-Plakat stand: „Champagner für alle, Cabrios im Nahverkehr, Grundrecht auf Mode – was will die eigentlich?“ Die FDP bediente so sämtliche denkbaren Klischees – und räumte sie gleich ab. Denn direkt daneben wurde das „Auflöser“-Plakat platziert: „Wachstum statt Armut, fließender Nahverkehr und Grundrecht auf Bildung – das will ich.“

Verstehen Wähler Ironie? Ja, meint Steiner. „Es braucht ein bisschen Augenzwinkern, um Politikverdrossenheit aufzubrechen.“ Deshalb gehört die Spitzenkandidatin auch nicht der Partei an. „Es ist mir wichtig, auch Politikverdrossene abzuholen“, sagt sie. Bei der letzten Bürgerschaftswahl lag die Wahlbeteiligung bei etwas über 55 Prozent.

„In Hamburg wurden uns erstmals zwei Wochen vor der Wahl fünf Prozent vorhergesagt, dann waren es am Wahlabend 7,4 Prozent“, sagt die FDP-Spitzenfrau der Hanseaten, Katja Suding. Sie hofft auf Wiederholung in Bremen. Denn: „Die Menschen wollen wieder eine freiheitliche Alternative zum rot-grünen Nanny-Staat.“ Sie sähen in der FDP wieder eine starke Stimme gegen Überregulierung, Bürokratie und Staatsgläubigkeit.

„Der Wähler ist klug und unabhängig“, sagt Suding. Am 10. Mai um 18 Uhr wird es die FDP genauer wissen.