Spionageverdacht Polizei durchsucht Wohnungen von Ditib-Geistlichen

15.02.2017, 11:18 Uhr

Wegen Spitzel-Vorwürfen lässt die Bundesanwaltschaft seit dem Morgen die Wohnungen von vier islamischen Geistlichen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsuchen. Waren sie verdeckt als Geheimdienst-Agenten tätig?

Im Zuge ihrer Ermittlungen wegen Spionageverdachts gegen den türkisch-islamischen Moscheeverband Ditib hat die Bundesanwaltschaft am Mittwochmorgen Wohnungen von vier Geistlichen durchsuchen lassen. Das bestätigte die Behörde am Mittwoch in Karlsruhe.

Dabei gehe es um den Verdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit. Die Beschuldigten sollen den Angaben zufolge Informationen über Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt und an das türkische Generalkonsulat in Köln berichtet haben. (Weiterlesen: Spitzel-Vorwürfe gegen Ditib – Alle Zweifel beseitigen) 

Des Putschversuches beschuldigt

Bei den Razzien, über die zuerst „Spiegel Online“ berichtet hatte, gehe es darum, dafür weitere Beweise zu finden. Nähere Auskünfte könnten derzeit nicht erteilt werden, hieß es. Die Regierung in Ankara macht Gülen-Anhänger für den Putschversuch im Sommer 2016 verantwortlich. (Weiterlesen: Politiker erhöhen Druck auf Moscheeverband Ditib) 

Ditib hatte unlängst bestätigt, dass Imame des Verbands Informationen über Anhänger des in der Türkei als Staatsfeind gesuchten Predigers Fethullah Gülen nach Ankara geschickt hatten. Der Verband selbst sprach allerdings von einem Versehen. Die Bundesanwaltschaft leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit ein.

900 Gemeinden in Deutschland

Ditib werden rund 900 Moscheegemeinden in Deutschland zugerechnet, die vorwiegend von Muslimen mit türkischen Wurzeln besucht werden. Der Verband ist eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet verwoben, die der Regierung in Ankara untersteht.