Gasknappheit „Entscheidung klar“: SPD-Chefin gegen Streckung der Akw-Laufzeiten

Von Tobias Schmidt | 30.07.2022, 10:00 Uhr 2 Leserkommentare

Mit Atomkraft gegen die Gasknappheit? SPD-Chefin Saskia Esken ist klar gegen den Streckbetrieb einer hochgefährlichen Technologie.

SPD-Chefin Saskia Esken hat sich gegen längere Akw-Laufzeiten durch einen sogenannten Streckbetrieb ausgesprochen. „Auch ein Streckbetrieb hilft uns nicht wirklich gegen die Gasknappheit. Er bringt netto überhaupt nicht mehr Energie, die Stromerzeugung würde nur verschoben“, sagte Esken im Interview mit unserer Redaktion. „Und auch das wäre alles andere als sicher, in Frankreich sind gerade etliche Meiler nicht am Netz. Daher halte ich nichts von einer Streckung der Laufzeiten.“

Esken über Atomkraft: „Hochgefährliche Technologie“

Zwar laufe der zweite Stresstest noch, sagte die SPD-Vorsitzende. „Aber wir wissen ja schon: Zur Wärmeerzeugung aus Gas kann Atomkraft keinen Beitrag leisten.“ Dass die Technologie hochgefährlich und das Müllproblem ungelöst seien, daran habe sich nichts geändert. „Für mich liegt die Entscheidung klar“, sagte Esken.

Braucht es Atomstrom?

AKW-Laufzeit: Es wird Zeit für eine ehrliche Debatte

Meinung – Nina Kallmeier
Solidarität ist keine Einbahnstraße. Da haben unsere europäischen Nachbarn und Partner Recht. Deutschland bittet Länder, die in den vergangenen Jahren ihren Wohlstand nicht auf billigem Gas aus Russland aufgebaut haben, in der Krise solidarisch mit zu sparen und im Fall des Falles Gasmengen abzugeben. Und was bekommen sie im Gegenzug?

Aktuell lautet die ehrliche Antwort: wenig - oder zumindest keine große, symbolträchtige Gegenleistung. Zwar steht das klare Bekenntnis zum Energiesparen und der Weg ist geebnet, Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung aus der Reserve zu holen. Auch das wird Gasmengen, die aktuell zur Verstromung genutzt werden, ersetzen. Aber: In der symbolträchtigen Debatte um einen Weiterbetrieb der Kernkraftwerke über den Jahreswechsel hinaus bleiben die Fronten verhärtet.

Ausbau der Erneuerbaren stockt weiterhin

Eine einfache Lösung gibt es nicht. Zumal, so ehrlich sollte die Diskussion dann auch sein: Der Bevölkerung weismachen zu wollen, ein Streckbetrieb der noch laufenden Kernkraftwerke sei die Lösung allen Übels, ist Augenwischerei. Mit einer längeren Laufzeit bis ins Frühjahr ist es nicht getan.

Die Statista-Grafik zeigt: So sah der Kraftwerksmix in Deutschland 2021 aus

Es werden bis dahin und auch bis zum nächsten Winter nicht wundersamerweise mehr Windräder und Photovoltaikanlagen gebaut, keine Stromleitungen von Nord nach Süd verlegt. Wenn alles nach Plan läuft, kommen bis dahin höchstens die ersten Flüssiggasmengen am neuen LNG-Terminal in Wilhelmshaven an.

Das bedeutet: Selbst mit Streckbetrieb steht Deutschland im Frühjahr wieder an genau dem gleichen Punkt wie heute - insbesondere, wenn der Winter lange anhalten sollte. Wer also jetzt für einen Weiterbetrieb der Kernkraftwerke plädiert, sollte keinen Hehl daraus machen, dass damit ein Ausstieg aus dem Atomausstieg einhergeht. Das kann man politisch mit allen damit einhergehenden Konsequenzen wollen, sollte dann aber auch den Mut haben, es offen zu kommunizieren.

Die Statista-Grafik zeigt die Folgekosten der Stromerzeugung:
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2 Kommentare
Torsten Mentrup
Der Stresstest ist noch nicht mal beendet aber Fr. Esken nimmt das Ergebnis schon vorweg. Warum dann noch der Test? Aber was will man von Frau Eskens auch anderes erwarten, Populistin wie Sie im Buche steht.