Millionenausgaben beim Bund und den Ländern So teuer sind Polizeieinsätze bei Fußballspielen

Von Dirk Fisser | 20.04.2018, 07:05 Uhr

Ausgerechnet das kleinste unter den deutschen Bundesländern legt sich mit König Fußball an: Seit Jahren streitet sich Bremen mit den Fußballverbänden, um die Erstattung von Polizeikosten bei sogenannten Hochrisiko-Spielen im Weser-Stadion. Demnächst wird das Bundesverwaltungsgericht ein Grundsatzurteil sprechen. Doch wie teuer sind Polizeieinsätze bei Fußballspielen eigentlich?

Es ist kompliziert. Viele Bundesländer winken auf Anfrage unserer Redaktion ab. Das werde nicht erhoben, heißt es beispielsweise aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg. Andere Länder liefern hingegen Näherungswerte auf Basis der Einsatzstunden der Polizei.

22,5 Millionen Euro in Niedersachsen

Beispiel Niedersachsen: Das Innenministerium in Hannover legt für die drei abgelaufenen Spielzeiten je nach Dienstgrad der eingesetzten Polizisten Kosten von 56 beziehungsweise 69 Euro pro Stunde inklusive eines Sachkostenanteils von 7 Euro zu Grunde. So kommt das Bundesland am Ende auf Ausgaben von 22,5 Millionen Euro für die Spielzeiten 2014/15 (6,2 Millionen), 2015/16 (6,15) und 2016/17 (10,2). Die starken Schwankungen erklärt das Ministerium mit Auf- und Abstiegen niedersächsischer Vereine aus den ersten drei Ligen und mit kostenträchtigen Derbys – etwa wenn Hannover auf Braunschweig trifft.

Und anderswo? Konstant hohe Ausgaben hat hingegen Baden-Württemberg, das Heimatland der Bundesligisten VfB Stuttgart, SC Freiburg und TSG Hoffenheim. Auf die drei Spielzeiten verteilt errechnete das Stuttgarter Innenministerium Polizeikosten von 26,3 Millionen Euro, in Hessen (unter anderen Eintracht Frankfurt) waren es 20,5 Millionen Euro, in Rheinland-Pfalz 16,7 Millionen. Bremen nennt Polizeikosten von 7,4 Millionen Euro. In Hamburg werden die Ausgaben nicht erhoben. Aus Sicherheitskreisen ist aber zu erfahren, dass in den vergangenen beiden Spielzeiten umgerechnet 5,81 Millionen Euro zusammenkamen.

Zahlen für die Bundespolizei

Unterm Strich liefen in sechs von 16 Bundesländern also Kosten von 82,5 Millionen Euro binnen drei Spielzeiten auf. Hinzu kommt noch die Bundespolizei, die in Bahnhöfen und Zügen aufpasst. Kürzlich gab das Bundesinnenministerium auf Anfrage der Grünen Einblick in die Kosten: Für die „Überwachung des Fußballfanreiseverkehrs“, wie es in der Antwort heißt, listet die Behörde 73,38 Millionen Euro für die vergangenen drei Spielzeiten auf. Hinzu kommen 28,8 Millionen Euro als „Zulagenzahlungen für den Dienst zu ungünstigen Zeiten.“ Unterm Strich stehen also für sechs Bundesländer und die Bundespolizei 191 Millionen Euro für drei Spielzeiten.

Allerdings: Der Bremer Streit dreht sich nur um die sogenannten Hochrisikospiele. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) sagte dazu kürzlich unserer Redaktion: Eine Rechnung wolle sein Bundesland nur dann ausstellen, „wenn ein besonderes Risiko mit der Durchführung verbunden ist und die zu erwartenden Polizeikosten zur Absicherung der Veranstaltung das normale Maß deutlich überschreiten.“ Wann dieses erhöhte Risiko vorliege, entscheide die Polizei Bremen. In dem Rechtsstreit zwischen Hansestadt und Deutscher Fußball Liga (DFL) geht es um eine exemplarische Rechnung von etwa 426.000 Euro für ein Spiel zwischen Werder Bremen und den Nordrivalen Hamburger SV. (Weiterlesen: Bürgermeister: Bremen wird Streit um Polizeikosten gewinnen)

Warten auf die Entscheidung

Viele Bundesländer warten ab, wie der Rechtsstreit ausgeht. Nur Rheinland-Pfalz schlug sich zuletzt öffentlich auf die Seite des Stadtstaates. „Die zunehmende Wirtschaftskraft der Profivereine und der Deutschen Fußball Liga gibt es durchaus her, dass Clubs und DFL an den Kosten für Hochrisikospiele beteiligt werden“, sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Die Bundesregierung antwortete den Grünen, derzeit gebe es keine gesetzliche Grundlage, Kosten für Bundespolizeieinsätze beim Veranstalter geltend zu machen. Und die Regelungskompetenz dafür liege ohnehin bei den Bundesländern, nicht beim Bund. Im Klartext: Berlin sieht wohl keine Möglichkeit, seine Polizeikosten in Rechnung zu stellen. (Weiterlesen: DFL legt Einspruch gegen Urteil im Bremer Kostenstreit ein)