Rückrufaktion bei Daimler Grünen-Fraktionschef Hofreiter fordert andere Verkehrspolitik

Von Marion Trimborn | 12.06.2018, 07:04 Uhr

Die Rückrufaktion von 774 000 Diesel-Fahrzeugen bei Daimler ist nach Ansicht des Grünen-Fraktionschefs Anton Hofreiter nur eine Show. Er fordert weitergehende Maßnahmen im Diesel-Skandal - sowie eine andere Verkehrspolitik.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat die Rückrufaktion von Diesel-Fahrzeugen bei Daimler als „Rückruf-Show“ von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kritisiert. Dabei dürfe es nicht bleiben, sagte Hofreiter unserer Redaktion: „Es braucht eine andere Verkehrspolitik - und dazu gehören auch Hardwarenachrüstungen auf Kosten der Autoindustrie, die Einführung einer blauen Plakette und Rückenwind für den Öffentlichen Personennahverkehr.“

Der Grünen-Fraktionschef forderte vom Verkehrsminister eine Transparenz-Offensive: „Sämtliche Manipulationen und sämtliche Absprachen zwischen Ministerium und Autoindustrie müssen veröffentlicht werden.“ Die bisherige „Klüngelei“ falle der Bundesregierung und den Autobossen krachend auf die Füße: „Die Mauscheleien müssen endlich ein Ende haben.“

Nach Ansicht von Hofreiter ist der Dieselskandal ein Fass ohne Boden: „Jetzt kommt nicht mal Verkehrsminister Scheuer um eine Rückrufaktion herum.“

 Daimler muss europaweit 774 000 Diesel-Fahrzeuge wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung zurückrufen. In Deutschland seien 238 000 Fahrzeuge betroffen, hatte Bundesverkehrsminister Scheuer nach einem Gespräch mit Vorstandschef Dieter Zetsche am Montag in Berlin mitgeteilt. Der Bund werde „unverzüglich“ einen amtlichen Rückruf anordnen. In einer Videobotschaft sagte Scheuer, man habe „intensiv und stundenlang“ verhandelt. Daimler will den Rückruf umsetzen, kündigte aber auch einen Widerspruch dagegen an.