Romney gewinnt in Florida Floridas Wähler mehr über Newt besorgt als von Mitt begeistert

Von Thomas J. Spang | 31.01.2012, 16:01 Uhr

Die Wut auf der Straße unterlag in Florida der Übermacht des Geldes und bescherte Mitt Romney seinen ersten echten Sieg bei den Vorwahlen um die republikanische Präsidentschafts-Kandidatur. Mit etwas mehr als 46 Prozent der Stimmen hängte er Newt Gingrich um 14 Punkte ab. Rick Santorum holte 13 Prozent und Ron Paul sieben Prozent.

Der Favorit des Partei-Establishments drehte das Ergebnis von South Carolina um und feierte in Florida sein Comeback als Spitzenreiter im Rennen um die Nominierung. Möglich machten es Rekordausgaben für negative Fernsehwerbung, in der Romney seinen Gegenspieler als unsteten und unberechenbaren Charakter darstellte. Der Wahlsieger legte für rund 8000 ausgestrahlte Werbespots fast 16 Millionen Dollar auf den Tisch. Vier Mal so viel wie Gingrich, der nicht über dieselben Ressourcen verfügt.

“Umkämpfte Vorwahlen teilen uns nicht, sondern bereiten uns auf den Herbst vor”, versucht der Gewinner von Florida in seiner vom Tele-Prompter abgelesenen Rede über den bitteren Ton dieses Wahlkampfes hinwegzugehen. Eine Auseinandersetzung, die persönlich und ideologisch tiefere Gräben bei den Republikanern aufgerissen hat als Hillary Clinton und Barack Obama bei den Demokraten vor vier Jahren.

Damit auch bloß niemand seine Intention missversteht, sprach Newt hinter einem Pult, vor dem eine Papptafel mit den fetten weißen Lettern “46 states to go” prangte. “Lassen Sie mich Ihnen heute Nacht versichern”, machte der Kandidat der Wutbürger seinen Anhängern Mut, “wir werden überall antreten und in Tampa die Nominierung holen.” Florida habe die Primaries zu einem Zwei-Mann-Rennen gemacht, bei dem die Partei die Wahl zwischen einem “Moderaten aus Massachusetts und einem Reagan-Konservativen” habe.

In Florida gab es nicht genügend Tea-Party-Anhänger und christliche Fundamentalisten, um Newt die 50 Delegierten zu geben. Er holte laut Nachwahlumfragen zwar denselben Anteil dieser Gruppe wie in South Carolina (4 von 10), aber das waren im Sonnenstaat bei weitem nicht genug, um die wohlhabenden Senioren, die aus dem Norden hierhin zogen, und die moderateren Wähler zu überstimmen.

Gingrich hat darüber hinaus ein erhebliches “Frauenproblem”. Mit 52 zu 28 Prozent stimmten die Republikanerinnen für Romney. Dass der Kandidat seine beiden ersten Frauen verließ, als diese an Krebs bzw. MS erkrankt waren, nehmen dem Moralapostel viele übel.

Nüchtern betrachtet hat Gingrich trotz der Schlappe keinen Grund, das Rennen zu verlassen. Romney müsste von jetzt an einschließlich der Wahlen in Kalifornien und mehreren anderen Staaten am 5. Juni 60 Prozent aller Delegierten zum Wahlparteitag gewinnen, um dort die erforderliche Mehrheit zu haben.

Da die Delegierten nun wieder proportional vergeben werden, ist die Aufgabe schwieriger, als die Spinmeister des Wahlsiegers glauben machen wollen. Keiner der drei übrigen Kandidaten plant in naher Zukunft auszusteigen. Und solange jemand Gingrich sponsert, wird er genügend Ressourcen haben, eine “Südstaaten”-Strategie zu verfolgen.

Der Ober-Wutbürger muss irgendwie durch den Februar kommen, in dem ein paar kleinere Staaten wählen, die ihm nicht gewogen sind und in denen auch keine Fernsehdebatten anstehen. Die größte Gefahr für ihn besteht darin, dass ihm in dieser Zeit das Geld ausgeht.

Für Romney gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Vier von zehn Wählern sagen in Florida, sie sähen lieber noch einen anderen Kandidaten in das Rennen um die Nominierung einsteigen. Nicht gerade ein Vertrauenserweis.

Auch die Schlammschlacht zwischen den Kandidaten hat beim Sieger Spuren hinterlassen, die ihm bei einer Auseinandersetzung mit Barack Obama im Herbst erheblich schaden dürften. Die Unabhängigen laufen Romney seit Beginn der heißen Phase der Vorwahlen in Scharen davon. Obama führt bei dieser wahlentscheidenden Gruppe jetzt mit 44 zu 36 Prozent.

In Florida war die Sorge vor einem Präsidentschafts-Kandidaten Gingrich größer als die Begeisterung für Romney. Wozu der bombastische Speaker selber mehr beigetragen hat als jeder andere. In der Wahlnacht gab er eine Kostprobe, die erklärt warum.

Nachdem er seine weitere Strategie ausgebreitet hatte, fing Newt an, in seiner selbstgefälligen Art über seine ersten Stunden im Weißen Haus zu fantasieren. In diesem Moment wirkte er so entrückt wie vor knapp einer Woche, als er den Bewohnern der Weltraumküste versprach, zum Ende seiner “zweiten Amtszeit” eine Kolonie auf dem Mond zu errichten. Beides wird nicht passieren.