Rentenalter Versicherungswirtschaft will „echte“ Rente mit 67

13.06.2016, 14:51 Uhr

Bundesbürger sollten laut der deutschen Versicherungswirtschaft in Zukunft deutlich länger bis zur Rente arbeiten als heute. Denn ohne deutlich spätere Rente drohten eine enorme Belastung der Steuerzahler und ein rapides Absinken des Rentenniveaus, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Er fordert eine „echte“ Rente mit 67 anstelle einer Debatte über die Rente mit 70.

Derzeit liege das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei 64,2 Jahren, im Tempo der derzeitigen Entwicklung steige es bis 2030 auf 65 Jahre, erklärte der GDV in Berlin unter Berufung auf eine von ihm in Auftrag gegebene Prognos-Studie. „Würden die Deutschen im Jahr 2030 hingegen tatsächlich bis zu ihrem 67. Geburtstag arbeiten, würde das Rentenniveau um 1,1 Prozentpunkte steigen“, erklärte der Verband. In Kaufkraft von heute entspreche das 200 Euro bei einer durchschnittlichen Jahresrente. Mit 21 Prozent läge der Rentenbeitragssatz dabei 0,9 Prozentpunkte unter dem Niveau, das bei Fortschreibung der aktuellen Entwicklung erreicht würde.

„Alle drei Säulen stärken“

„Wir brauchen keine Debatte über eine Rente mit 70. Wir sollten zunächst alles daran setzen, das gesetzliche Ziel von 67 Jahren auch real zu erreichen“, erklärte GDV-Präsident Alexander Erdland.“ Arbeitgeber und Gewerkschaften sollten Rahmenbedingungen schaffen, dass Menschen auch in der Lage sind, so lange zu arbeiten“, forderte er: „Aber klar ist: Auch längeres Arbeiten kann kein Rentenniveau garantieren, wie wir es von früher kennen. Das geht nur, wenn wir alle drei Säulen der Altersvorsorge stärken. Also auch die betriebliche und private Vorsorge.“

Derzeit liegt das Rentenniveau - also das Verhältnis von Standardrente zu Durchschnittseinkommen - bei 47,5 Prozent . Es kann bis 2030 schrittweise auf 43 Prozent sinken. Dies hatte im Jahr 2004 die damalige rot-grüne Bundesregierung beschlossen. Offen ist bislang, wie sich das Rentenniveau tatsächlich entwickelt. Die Deutsche Rentenversicherung prognostiziert für 2030 ein Absinken auf 44,4 Prozent.

DGB: Politik muss dringend handeln

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach erklärte zu der Studie: „Das Rentenalter anzuheben bringt praktisch nichts für die Rente: Trotz längerem Arbeiten bliebe das Rentenniveau auf Talfahrt.“ Das treffe insbesondere die Jüngeren, die stärker belastet würden. Die Politik müsse „dringend handeln“, forderte Buntenbach.

Prognos untersuchte auch, wie sich der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung entwickeln könnte. Steigt das tatsächliche Rentenalter von derzeit 64,2 Jahre bis 2040 nur leicht auf 65 Jahre, dann wäre ein gut 55 Milliarden Euro höherer Steuerzuschuss für die Rentenkasse als heute nötig, heißt es in der Studie. Das Rentenniveau würde auf 41,7 Prozent sinken.

Bei längerem Arbeiten wären demnach höhere Renten mit weniger Steuergeld zu erreichen. Gehen die Menschen künftig tatsächlich erst mit 67 in Rente, wie künftig für eine Rente ohne Abschläge auch vorgeschrieben, läge der Bundeszuschuss 2040 allerdings immer noch gut 51 Milliarden Euro über dem Stand heute. Das Rentenniveau sänke bis 2040 demnach auf 42,1 Prozent. Bei 67,6 Jahren wären es laut der Studie 42,2 Prozent.