Kommentar Regierungskrise in Rom - Italien müsste an sich selbst verzweifeln

Meinung – Thomas Ludwig | 21.08.2019, 18:28 Uhr

So wild es in Rom derzeit auch zugeht – Regierungskrisen sind in Italien nichts Ungewöhnliches; über Jahrzehnte haben die Institutionen eine gewisse Routine im Umgang damit gewonnen. Aber..

Nach vorn gebracht haben die stetigen Regierungswechsel Land und Leute ganz und gar nicht. Längst ist Italien zu einem Mitglied der EU geworden, das geprägt von Larmoyanz und Inspirationslosigkeit um sich selbst kreist.

Das furiose Aus für die Experimentalregierung aus rechter Lega und linkspopulistischer 5-Sterne-Bewegung ist ein Beleg dafür. Raufen sich nun 5-Sterne und Sozialdemokraten zu einer neuen Regierung zusammen? Eine gemeinsames Nein zu Neuwahlen ist noch kein Ausweis für ein zeitgemäßes Regierungsprogramm. Ohne das aber entkommt Italien der wirtschaftlichen Misere nicht.

Die Verantwortung, die auf einer neuen Regierung in Rom lastet, geht über die Landesgrenzen hinaus; die massive Verschuldung und der fragile Bankensektor machen Italien zur Gefahr für Europa.

Im Herbst könnte es für die viertgrößter Volkswirtschaft der EU zum Schwur kommen. Dann muss Rom die Etatpläne für nächstes Jahr in Brüssel vorlegen. Eine weitere Neuverschuldung wäre fatal.

Europa braucht dringend ein Italien, das zur Ruhe kommt. Denn mit dem wohl ungeregelten Ausstieg der Briten Ende Oktober, drohen der EU Unwägbarkeiten genug.