Promis küren den Präsidenten Wenn „Jogi“ und „Hape“ wählen gehen

Von Beate Tenfelde | 10.02.2017, 05:55 Uhr

Ein bisschen Show muss offenbar sein: Die Schauspielerinnen Iris Berben, Veronica Ferres und Natalia Wörner werden neben anderen Vertretern aus Kunst, Kirche, Sport und Wissenschaft an diesem Sonntag in die Bundesversammlung entsandt, um den neuen Bundespräsidenten zu wählen.

Während Ferres von der CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen zur „Wahlfrau“ gekürt wurde, werden Berben und Wörner von der SPD ins Rennen geschickt. Das wird ein Gebalge der Fotografen geben, um die 49-Jährige Wörner und ihren Lebenspartner Justizminister Heiko Maas (50) zusammen auf ein Foto zu bekommen.

Die Bundesversammlung kommt ausschließlich zur Wahl des Bundespräsidenten zusammen. 1260 Wahlfrauen und -männer treten morgen im Reichstag an – die 630 Bundestagsabgeordneten sind gesetzt. Die Landtage schicken weitere 630 Vertreter. Die Fraktionen sind in ihrer Entscheidung frei, wen sie zur Bundesversammlung schicken. Mit Ausnahme der CSU, die ihre Landtagsabgeordneten nominiert, entsenden die übrigen Parteien auch ein paar Prominente oder verdiente Bürger in die Bundesversammlung – in der Erwartung, dass sie ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle machen.

Auch Roland Kaiser dabei

Allerdings bekommen mutige Feuerwehrleute, Katastrophenhelfer oder empathische Krankenschwestern immer weniger eine Chance – sehr schade, es wäre für viele eine Auszeichnung und ein Erlebnis. Erstens wollen Landtagsabgeordnete ungern verzichten, zweitens spielt der Glamourfaktor eine Rolle. Nationalcoach Joachim („Jogi“ ) Löw oder die Schauspielerin Christine Urspruch, die im „Tatort“ aus Münster dem Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne die Stirn bietet, versprechen Aufmerksamkeit . Sie sind wohl auch deshalb von der Grünen-Fraktion im Stuttgarter Landtag eingeladen worden, wie auch Bosch-Aufsichtsrat Franz Fehrenbach.

Ins bunte Wahlvolk mischt sich ferner Schlagersänger Roland Kaiser, den die SPD Mecklenburg-Vorpommern ins Rennen schickt. Die Saarland-SPD entsendet Schlagersänger Peter Maffay. Olivia Jones ,Travestie-Künstlerin, hat die niedersächsische Grünen-Fraktion als Ikone ausgewählt. Niedersachsens SPD-Landtagsfraktion lud ferner Dr. Axel Haverich, erfolgreicher Herzchirurg an der Medizinischen Hochschule Hannover , und Bernd Osterloh VW-Betriebsratschef ein. Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe vertritt die FDP. Als SPD-Promis können gelten, obwohl auch als Landtagsabgeordnete sowieso gesetzt : Boris Pistorius und Doris Köpf .

Die Schleswig-Holsteins SPD-Landtagsfraktion wird der türkischstämmige Schriftsteller Feridun Zaimoglu vertreten. Die thüringische Linke machte Semyiya Semsik Demirtas zur Wahlfrau, sie ist die Tochter eines Mordopfers der rechtsterroristischen NSU.

Aus Nordrhein-Westfalen kommen die Kölner Schauspielerin Mariele Millowitsch (von der SPD geschickt) , die Komikerin Carolin Kebekus ( von den Grünen entsandt) und der Entertainer und Autor Hape Kerkeling ,Wahlmann der CDU. Mal sehen, welchen Joke sich „Hape“ erlaubt. Es dürfte wohl die einzige Überraschung sein. Dass die Wahl schnell über die Bühne geht, scheint sicher: In der Bundesversammlung zeichnet sich eine breite Mehrheit für den Präsidentschaftskandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) ab.