Probleme in MINT-Berufen DGB: Barrieren für Frauen abbauen

Von Uwe Westdörp | 25.06.2013, 22:00 Uhr

Deutschland verschenkt trotz bestehender und absehbarer Engpässe weiterhin Fachkräftepotenziale in den MINT-Berufen, also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik; Frauen müssen stärker als bisher gefördert werden. Das ist das Ergebnis einer neuen DGB -Analyse, die unserer Zeitung vorliegt.

Nicht einmal jeder fünfte MINT-Beschäftigte ist der Untersuchung zufolge weiblich. Die meisten dieser Berufe sind folglich unverändert männlich dominiert „und dürften trotz vieler Programme weiterhin Männerdomänen bleiben“.

Frauen leiden der Studie zufolge unter einer Reihe von Hürden: „Sie sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als ihre männlichen Kollegen, sie verdienen durchschnittlich weniger, und selbst MINT-Frauen ohne Kinder arbeiten öfter in Teilzeit als ihre männlichen Kollegen mit Kindern.“

„Den erhöhten Bedarf an Fachkräften sollten wir nicht als Problem, sondern als Chance begreifen“, sagte DGB-Vorstand Annelie Buntenbach . Sie forderte: „Wer Ingenieurinnen will, muss die richtigen Signale setzen und an die Rahmenbedingungen ran.“ Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern und Barrieren für Frauen abbauen – das seien wichtige Schritte auf dem Weg zur Fachkräftesicherung im MINT-Bereich. Lamentieren über den vermeintlichen Fachkräftemangel helfe nicht. „Stattdessen müssen Politik und Arbeitgeber endlich handeln.“

Für mehr als zwei Drittel der MINT-Akademikerinnen, so die Autoren weiter, gestalte sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwierig. Die Frauen wünschen sich der Studie zufolge gute Betreuungsmöglichkeiten, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten.

Laut der Analyse waren im Juni 2011 circa 2,54 Millionen Fachkräfte in den MINT-Berufen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, sechs Prozent mehr als 2007. Von diesem Beschäftigungsaufbau konnten mit einem Plus von rund zehn Prozent besonders Frauen profitieren. Unter den Naturwissenschaftlern erhöhte sich die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen seit 2007 um 44 Prozent. Trotz dieses Zuwachses ist der Frauenanteil in MINT-Berufen aber nicht einmal halb so hoch wie in allen Berufen zusammen.

An den Unis gibt es indessen Fortschritte zu verzeichnen. Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich nahmen laut der Studie im Studienjahr 2011/2012 rund 54000 Frauen ein Studium auf, fast 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im Vergleich zu 2007/2008 ergab sich sogar eine Steigerung von mehr als 50 Prozent. Im ingenieurwissenschaftlichen Bereich schrieben sich für 2011/2012 rund 33000 Frauen ein, knapp 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor und fast doppelt so viele wie im Studienjahr 2007/2008. Insgesamt gab es 2011/2012 in den MINT-Fächern 301532 Studierende im ersten Fachsemester. Davon waren rund 87000 weiblich.