Politik und Industrie versprechen sauberere Diesel ohne teure Umrüstung Neue Software für 5,3 Millionen Autos

Von Beate Tenfelde | 02.08.2017, 22:14 Uhr

5,3 Millionen Euro-5- und Euro-6-Diesel-Autos sollen ab sofort mit einer neuen Software ausgerüstet und damit sauberer werden – ohne Kosten für die Halter. Das ist das zentrale Ergebnis des Dieselgipfels von Politik und Autoindustrie in Berlin.

Berlin. Betroffen von dieser Nachrüstung sind 3,8 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen, über 900000 von Daimler, über 300000 von BMW und weitere von Opel. Bei VW sind knapp 2,5 Millionen Diesel, die schon im Pflicht-Rückruf sind, eingerechnet. Der Dieselgipfel hatte zum Ziel, Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Städten zu vermeiden und den gesundheitsgefährdenden Ausstoß von Stickoxid zu reduzieren.

Der Stickoxid-Ausstoß der Fahrzeuge soll im Schnitt um 25 bis 30 Prozent sinken – so sagen die Hersteller. 30 Prozent müssen es sein, gibt Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) vor. Die Autobauer versprechen, dass für die Autobesitzer keine Kosten entstehen und die Nachrüstung keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch und Lebensdauer haben wird.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet mit Kosten für die Hersteller von insgesamt 500 Millionen Euro. VW-Konzernchef Matthias Müller sagte: „Wir halten es für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen.“

Die Hersteller wollen Besitzer zehn Jahre alter und noch älterer Diesel – Schadstoffklasse Euro 4 oder weniger – mit Prämien motivieren, neue Diesel oder E-Autos zu kaufen. Ein Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ im Umfang von 500 Millionen Euro soll den Stadtverkehr moderner und sauberer machen. Die deutschen Autobauer wollen sich an diesem Fonds mit 250 Millionen Euro beteiligen. Förderprogramme werden aufgestockt, um den Umstieg auf E-Mobilität zum Beispiel bei Nutzfahrzeugen, Taxen und Bussen zu beschleunigen und Rad- und Schienenverkehr voranzubringen – dafür kommt der Bund auf.

Diese Vereinbarungen decken sich mit den vorab bekannt gewordenen Plänen. Expertenrunden sollen sich weiterhin mit dem Thema Nachrüstungen an den Motor-Bauteilen selbst, der Hardware, befassen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nannte das Ergebnis des Gipfels „richtig und gut“. Es gebe eine „neue Verantwortungskultur“, auch bei den Autobauern. Das große Ziel sei die Vermeidung von „generellen Fahrverboten“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach von einer „anstrengenden Sitzung“, die erst ein Anfang sei.

Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) äußerte sich „sehr zufrieden“ mit den Ergebnissen, die einen „beachtlichen Fortschritt“ darstellten. Die deutschen Unternehmen hätten „deutlich zu ihrer Verantwortung gestanden“. Der CSU-Chef machte sich zugleich für eine stärkere Differenzierung bei der Kfz-Steuer nach Schadstoffklassen stark. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von einem „ordentlichen Ergebnis in der Sache“.

Enttäuscht zeigten sich dagegen Umweltschutzorganisationen. Der Gipfel sei „grandios gescheitert“, urteilte die Deutsche Umwelthilfe (DUH).(Mit dpa)Seite 3