Politik Heftiger Koalitionsstreit um Aufklärung der Missbrauchsfälle in der Kirche

25.02.2010, 04:30 Uhr

In der schwarz-gelben Koalition ist ein Streit um die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche entbrannt.

Im Gespräch mit der unserer Zeitung (Donnerstagausgabe) sagte der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), zur Kritik von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) an der Kirche: „Ich kann mich über das Vorgehen der Ministerin nur wundern. Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Justizminister während eines laufenden Ermittlungsverfahrens ähnlich massive Kritik an der Kirche geübt hat.“ Leutheusser-Schnarrenberger gehe eindeutig zu weit, wenn sie den falschen Eindruck erwecke, die katholische Kirche würde eine Aufklärung der Missbrauchsfälle behindern. Ähnlich äußerte sich Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) in der Neuen OZ: „Ich kann nicht erkennen, dass die Kirche sich bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle ungebührliche Verzögerungen vorwerfen lassen muss.“ Mit Blick auf Leutheusser-Schnarrenberger sagte er: „Öffentliche Schuldzuweisungen sind einer sachlichen Aufarbeitung der Vorfälle sicher nicht dienlich.“ CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl warf der Ministerin in der Neuen OZ vor, „die katholische Kirche in der Öffentlichkeit pauschal auf die Anklagebank gesetzt“ zu haben. Damit sei sie weit über das Ziel hinaus geschossen. Uhl empfahl Leutheusser-Schnarrenberger und Erzbischof Robert Zollitsch, „ihre Scharmützel über die Medien schnell zu beenden“. Der Disput helfe niemandem. Zu den umstrittenen Richtlinien der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bei Verdacht auf Missbrauch sagte Bosbach: „Ich verstehe die Richtlinien so, dass die Kirche damit zwischen haltlosen Gerüchten und nachvollziehbaren Tatsachen unterscheiden will, ehe sie die Behörden hinzuzieht.“ +++