Recherche von VroniPlag Plagiatsverdacht: Hochschule prüft Doktorarbeit von Ministerin Giffey

Von dpa und afp | 08.02.2019, 17:40 Uhr

Ein Aktivist der Plagiate-Prüf-Plattform Vroniplag hat einem Bericht des "Spiegel" zufolge die Dissertation von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) beanstandet.

Wegen eines Plagiatsverdachts prüft die Freie Universität Berlin (FU) die Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey. Die SPD-Politikerin hat die Hochschule selbst um diese Prüfung gebeten, wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete. Die Universität erklärte, sie werde dieser Bitte nachkommen und "in Kürze ein entsprechendes Verfahren einleiten". Giffey wies ein bewusstes Plagiat zurück: "Ich habe diese Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst", sagte sie.

Dem Bericht zufolge untersuchen die Plagiatsjäger der Webseite VroniPlag Giffeys Arbeit. Gefunden hätten sie zahlreiche wörtliche oder sinngemäße Textübernahmen, die nicht gekennzeichnet seien. "Nach meinem bisherigen Eindruck ist das ein ernstzunehmender Fall", sagte der Jurist und VroniPlag-Akteur Gerhard Dannemann dem Magazin.

Angeblich mehrere Zitate nicht kenntlich gemacht

Demnach will der Rechercheur auf 49 von mehr als 200 Seiten Zeilen ausfindig gemacht haben, in denen etwa wörtliche und sinngemäße Übernahmen nicht kenntlich gemacht worden sein sollen, wie das Magazin am Freitag vorab berichtete. In anderen Fällen bemängelte der Aktivist, dass die angegebenen Quellen die dazugehörigen Textstellen angeblich nicht ausreichend belegen. Nach Angaben Dannemann müssen jedoch viele Beanstandungen noch unabhängig geprüft werden. Bei Vroniplag gelte das Vieraugenprinzip.

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema "Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft".

In den vergangenen Jahren hatte es in der deutschen Politik mehrere Plagiatsvergehen gegeben. Auch prominente Politiker wie der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) waren betroffen. Sie verloren ihre Doktortitel oder gaben sie freiwillig ab.