Parteivize dementiert Äußerungen Boateng als Nachbar? Gauland, die Methode AfD und der Hass

Meinung – Dirk Fisser | 29.05.2016, 21:11 Uhr

AfD-Vize Alexander Gauland sorgt mit einer Äußerung über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng für Empörung. Gauland bestreitet die Aussage. Ist das glaubwürdig oder eher die bewehrte Provokationsstrategie der AfD?

Die Nationalmannschaft spiegelt eine gesellschaftliche Realität, der sich die AfD beharrlich verweigert: Deutschsein definiert sich nicht über Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder Textsicherheit bei der Nationalhymne. Deutschland ist auch ohne entsprechendes Gesetz längst Einwanderungsland. Genau das verkörpert seit Jahren die deutsche Nationalmannschaft. Wer das nicht wahrhaben will, für den ist die AfD tatsächlich eine politische Alternative.

Nun behauptet Gauland zwar, sich nicht derartig über Nationalspieler Jérôme Boateng geäußert zu haben, wie berichtet wird. Doch wie glaubwürdig ist das? Es hat doch System bei der AfD: Erst den Skandal entfachen, um sich dann als Opfer einer unerbittlichen Empörungsmaschinerie zu inszenieren. Erinnert sei exemplarisch an Beatrix von Storch, die ihre Zustimmung zum Schießbefehl auf flüchtende Frauen und Kinder nach heftiger Kritik letztlich damit begründete, von der Computermaus abgerutscht zu sein.

Die Provokationsstrategie der AfD funktioniert verlässlich gut: Während sich die meisten reflexhaft über das Unerhörte aber dennoch Gesagte empören, stimmt der kleinere aber wachsende Teil der Bevölkerung stillschweigend zu oder aber glaubt willfährig, Gauland seien die Äußerungen in den Mund gelegt worden, um die Partei zu diskreditieren. So frisst sich der Hass Stück für Stück in die Mitte der Gesellschaft vor.