Pannen und Fehler Wie der Staat beim Berliner Terroranschlag versagt hat

Meinung – Marion Trimborn | 13.12.2017, 18:42 Uhr

Erst ging der Attentäter Anis Amri den Behörden durchs Netz, dann wurden Opfer und Angehörige des Terroranschlags im Stich gelassen. Der Staat hat rund um das Attentat auf einen Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr eklatant versagt. Ein Kommentar

Staatsversagen auf ganzer Linie - so lassen sich die Ereignisse rund um den blutigen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr beschreiben. Bei diesem ersten großen Anschlag hat der deutsche Staat die Opfer im Stich gelassen. Das fängt bei den Pannen der Sicherheitsbehörden rund um den Attentäter Anis Amri an und hört bei den Entschädigungen für Opfer auf. Es ist bedrückend zu wissen, dass das Attentat offenbar hätte verhindert werden können. Denn der Tunesier war den Behörden bekannt, er galt als Top-Gefährder. Doch die Fahnder überwachten ihn nicht ausreichend, informierten nicht die örtliche Polizei und übersahen sogar Waffen-Fotos auf seinem Handy. Zu allem Überfluss versuchten Ermittler hinterher, ihr Versagen zu verschleiern - unfassbar.

Aber auch nach dem Anschlag lief vieles schief. Da hielt Kanzlerin Angela Merkel es nicht für nötig, die Opfer und Angehörigen persönlich zu würdigen. Da erhielten Angehörige Rechnungen für die Obduktion. Eheleute bekamen für den Verlust ihres Partners erst einmal nur läppische 10 000 Euro. In anderen Ländern, in denen häufiger Anschläge passieren wie Amerika oder Israel, sind die Summen deutlich höher. Das alles zeigt: Deutschland muss den Umgang mit Terrorismus und seinen Folgen erst noch lernen.