Kommentar zu Rindfleisch-Abkommen Nur eine Verschnaufpause im Streit um Zölle

Meinung – Katharina Ritzer | 04.08.2019, 20:06 Uhr

Donald Trump lobt das Rindfleisch-Abkommen mit der EU als "immensen Sieg" für sein Land, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nannte es auf Twitter einen "wichtigen pragmatischen Schritt weg von Handelskrieg". Tatsächlich knüpft die EU große Hoffnungen an ihr Entgegenkommen, vielleicht zu große: Trumps Agenda bleibt aber "Americqa first". Ein Kommentar.

Soso, das beste Rindfleisch der Welt stammt also aus den USA – sagt jedenfalls der US-Präsident. Für Gourmets ist dagegen das Kobe-Rindfleisch aus Japan das beste der Welt, für Klimaschützer hingegen geht nichts über das Rind des Bauern von nebenan – außer gar kein Fleisch, natürlich.

Aber ums Rindfleisch geht es beim Deal zwischen den USA und der EU nur am Rande. Die Europäer sind zweitgrößter Importeur von Waren und Dienstleistungen und umgekehrt sogar wichtigster Exportmarkt für die USA. Da ist bei einem Handelsvolumen von 1,3 Billionen Dollar zwischen beiden Märkten der Rindfleisch-Import aus den USA mit aktuell 150 Millionen und in sieben Jahren angepeilten 420 Millionen Dollar zwar nicht nichts, aber auch nicht entscheidend.

Viel wichtiger sind zwei andere Dinge: Für Trump die Botschaft an seine treuen Wähler vom Lande, dass er sich um ihre Belange kümmert. Und für die Europäer das Signal an Trump, ihm entgegenzukommen, um eine Eskalation bei den Zöllen zu verhindern. Darauf zielte der bei der Unterzeichnung gemachte Witz des Präsidenten ab, wonach er demnächst 25 Prozent Strafzoll auf deutsche Autos erheben wolle – gelacht hat da kein Europäer. Denn der Mann versteht in seiner rücksichtslosen Mischung aus Egoismus und Protektionismus überhaupt keinen Spaß und die Zölle auf Autos könnten ganz schnell bitterer Ernst werden.