„Noch ist nichts entschieden“ Kanzleramtsschef sieht AfD auf Abstellgleis

Von Beate Tenfelde | 28.02.2017, 19:48 Uhr

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) ist äußerst vorsichtig, wenn es um die Zukunft der Alternative für Deutschland (AfD) geht. Die „gefühlte Temperatur“ für die Rechtspopulisten und deren Umfragewerte seien derzeit zwar gesunken. Für einen Abgesang auf die AfD ist es laut Altmaier aber zu früh.

„Das ist noch nicht entschieden, in welche Richtung das geht“, sagte der Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern in Berlin bei der Vorstellung des Buches „Angst für Deutschland – Die Wahrheit über die AfD: Wo sie herkommt, wer sie führt, wohin sie steuert“. Wie eine Archäologin habe die Autorin Schicht um Schicht freigelegt und durch ihr Buch „den Mythos“ der AfD zerstört. Diese sei schon auf dem „Abstellgleis“.

Verfasst hat es Melanie Amann – sie ist als „Spiegel“-Journalistin der AfD seit vier Jahren auf der Spur. Die promovierte Juristin informiert detailreich über die Entwicklung der AfD von der Professorenpartei unter Führung von Bernd Lucke zu einer rechtspopulistischen Kraft. Deren Führungspersonen Frauke Petry, Alexander Gauland, Björn Höcke und Beatrix von Storch hätten Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie in Deutschland hoffähig gemacht, bilanziert Amann.

Das „negative Gemeinschaftsgefühl“ zögen die AfD-Aktivisten aus dem „Hass“ gegen Kanzlerin Merkel. „Der schweißt die AfD zusammen“, resümiert die Journalistin, der Erfolg der AfD habe auch damit zu tun, dass die Regierungsparteien ihre Politik den Wählern vor allem mit rationalen Argumenten zu erklären versuchten. „Die AfD spricht sie auf einer anderen emotionalen Ebene an“, erklärte die Autorin.

Sie bewertete die Vorsitzende Frauke Petry als „telegen, intelligent und geborene Chefin“. Aber Petry sei auf „taktische Spielchen fixiert“ und zeige dazu „Misstrauen und Härte“, erläuterte Amann. Petry sei dem „Endspiel“ nahe – wie die derzeitigen parteiinternen Auseinandersetzungen demonstrierten. Die Bundestagswahl werde sie aber noch überstehen. Die Spaltung der AfD erwartet die Journalistin nicht, dafür sei der „Selbsterhaltungstrieb“ der AfD zu stark. Das aktuelle Aufregerthema in AfD-Kreisen sei der von der Bundeskanzlerin geäußerte Satz: „Das Volk ist jeder, der in diesem Lande lebt.“ „Dann flippt die AfD-Community aus“, sagte die Journalistin.

Das Buch ist im Droemer Verlag erschienen, hat 320 Seiten und kostet 16,99 Euro.